{"id":1720,"date":"2015-10-21T00:00:59","date_gmt":"2015-10-20T22:00:59","guid":{"rendered":"https:\/\/juriserver.de\/youpod.stagin\/?post_type=youhelp&#038;p=1720"},"modified":"2025-07-11T09:35:02","modified_gmt":"2025-07-11T07:35:02","slug":"essen-aus-dem-muell","status":"publish","type":"youhelp","link":"https:\/\/juriserver.de\/youpod.stagin\/help\/essen-aus-dem-muell\/","title":{"rendered":"Essen aus dem M\u00fcll"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Dumpster Diver&#8221; oder &#8220;Freegans&#8221; durchsuchen M\u00fcll, um Ess- und  anderweitig Brauchbares darin zu finden und &#8211; so weit es geht &#8211; davon zu  leben. Ihr Ziel: der Protest gegen die Wegwerfgesellschaft und den  st\u00e4ndigen Konsum.<\/p>\n<p>&#8220;Dumpster Diver&#8221; bedeutet &#8220;M\u00fclltaucher&#8221;, und &#8220;Freeganism&#8221; ist eine  Wortsch\u00f6pfung, bestehend aus &#8220;frei&#8221; und &#8220;vegan&#8221;, wobei &#8220;vegan&#8221; ein Leben  ohne jegliche tierische Produkte bedeutet. Im Deutschen wird auch &#8220;<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.dumpstern.de\">Containern<\/a>&#8221;  dazu gesagt &#8211; denn weniger der Privatm\u00fcll einzelner Leute als vielmehr  die M\u00fcllcontainer von Lebensmittelh\u00e4ndlern, gro\u00dfen Superm\u00e4rkten und  anderen Institutionen ziehen den &#8220;Dumpster Diver&#8221; an.<\/p>\n<\/p>\n<p>Viele Aktivisten wollen mit ihren eher extrem erscheinenden Aktionen  deutlich machen, dass viel zu viele noch gute und brauchbare  Lebensmittel weggeworfen w\u00fcrden. Diese M\u00fclltaucher wollen unsere  Wegwerfgesellschaft anklagen und letztlich das ganze \u00f6konomische System  boykottieren. Es gibt aber auch eine Menge Leute, die Essen aus dem M\u00fcll  holen, weil sie sich den Kauf nicht leisten k\u00f6nnen. Auch wenn es  Organisationen wie &#8220;die Tafel&#8221; gibt, wo Menschen mit einem geringen  Einkommen Essen gegen einen kleinen Obolus bekommen k\u00f6nnen &#8211; so wollen  oder k\u00f6nnen sie diese Einrichtungen nicht immer nutzen. <\/p>\n<\/p>\n<h2>Bewegung und Gegenbewegung<\/h2>\n<p>Es gibt eigene <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.containern.de\">Foren<\/a>,  in denen sich M\u00fclltaucher zum gemeinsamen Containern verabreden oder  die besten Pl\u00e4tze der Stadt austauschen. Es ist also eine ganze Bewegung  geworden, die durch <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.planet-schule.de\/wissenspool\/gefundenes-fressen\/inhalt\/sendung.html\">einige Filme<\/a>  dokumentiert sind. Lecker klingt das erst mal nicht. Aber: Was sie  sammeln, wird auch gegessen, und manche machen daraus gro\u00dfe und leckere  Mahlzeiten, an denen dann jeder, der Lust hat, teilnehmen kann. In  letzter Zeit gehen Superm\u00e4rkte auch immer mehr dazu \u00fcber, die  Lebensmittel z. B. mit Farbe oder gar Glassplittern zu verunreinigen.  Teilweise werden auch Z\u00e4une um die Container gebaut. Containern soll so  verhindert werden &#8211; denn die Superm\u00e4rkte wollen nat\u00fcrlich, dass die  Leute bei Ihnen die Produkte kaufen, anstatt sie aus dem M\u00fcll zu holen  und nichts daf\u00fcr zu bezahlen.<\/p>\n<\/p>\n<h2>Konsum- und Systemkritik<\/h2>\n<p>Es ist nicht nur das Wegwerfen, so  die Argumentation vieler Aktivisten: Egal, was man kauft, man  unterst\u00fctze immer irgend eine Firma oder ein System, das wiederum die  Natur, Menschen oder Tiere ausnutzt. Alle Produkte h\u00e4tten letztlich  einen sch\u00e4dlichen Einfluss auf irgend etwas oder irgend jemanden. Also  bliebe nur der Weg, so wenig wie m\u00f6glich direkt zu konsumieren. Und da  ist ja durchaus was dran &#8211; man k\u00f6nnte unz\u00e4hlige Produkte nennen, die mit  der Zerst\u00f6rung des Regenwaldes, der Ausbeutung von Arbeitern, dem  Aussterben von Tierarten oder sogar Kriegen zu tun haben. Die Liste ist  endlos, und als Konsumenten nehmen wir in der Tat aktiv daran Teil. <\/p>\n<\/p>\n<p>Manche Initiativen gehen au\u00dferdem in ihren Anspr\u00fcchen noch weiter &#8211;  gegen Autos bzw. Benzinverbrauch, f\u00fcr Hausbesetzungen, eine \u00f6kologische  Lebensweise oder gegen Arbeit im herk\u00f6mmlichen Sinne, weil man dann ja  auch Teil des Systems sei und dieses unterst\u00fctze. Schwierig nur, das  auch konsequent zu leben: Was ist z. B. mit Aktivisten, die sich zwar  aus Abf\u00e4llen ern\u00e4hren, zugleich jedoch bei ihren Eltern wohnen? Es ist  halt schwer, sich von einem System unabh\u00e4ngig machen zu wollen, in dem  man letztlich lebt. Paradox bleibt ja auch: Wenn man die Abf\u00e4lle des  \u00f6konomischen Systems konsumiert, ist man ja eigentlich auch wieder ein  Teil davon &#8211; die m\u00fcssen ja irgendwo her kommen. Hmmm&#8230;<\/p>\n<\/p>\n<p><b>Vorsicht ist geboten<\/b><\/p>\n<\/p>\n<p>Auch wenn es unterschiedliche Gr\u00fcnde gibt, Essen aus dem M\u00fcll zu  holen &#8211; die M\u00fclltaucher, die es sich leisten k\u00f6nnten, wollen wohl vor  allem ein Zeichen setzen und demonstrieren, wie brauchbar der M\u00fcll in  unserer Gesellschaft oftmals noch ist. Wenn man sich Bilder mit vollen  Container anschaut, kommt man auch wirklich ins Gr\u00fcbeln, ob das wirklich  alles weggeworfen werden m\u00fcsste. Wer sich aber sein Fr\u00fchst\u00fcck aus der  Supermarkt-Tonne holt, muss gut aufpassen, was er da so erwischt! Es  werden ja nicht nur optisch nicht mehr so ansprechende Lebensmittel  weggeworfen, sondern auch verdorbene Dinge. Insofern ist Vorsicht  geboten. Zudem geh\u00f6rt der Abfall juristisch gesehen so lange den  Superm\u00e4rkten, bis er abgeholt wird. Und in der Regel stehen die  Container auf dem Gel\u00e4nde der Handelsunternehmen &#8211; so dass beim  Containern auch mit einer Anzeige wegen Hausfriedensbruch zu rechnen  ist &#8230;<\/p>\n<p><i>Dieser Artikel stammt vom <a href=\"https:\/\/www.checked4you.de\">Online-Jugendmagazin der Verbraucherzentrale NRW, checked4you.<\/a><\/i><\/p>\n<p>(Der Text dieses Beitrags steht unter Creative-Commons-Lizenz: CC-BY-NC-ND.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Dumpster Diver&#8221; oder &#8220;Freegans&#8221; durchsuchen M\u00fcll, um Ess- und anderweitig Brauchbares darin zu finden und &#8211; so weit es geht &#8211; davon zu leben. 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