{"id":1764,"date":"2017-04-12T11:37:44","date_gmt":"2017-04-12T09:37:44","guid":{"rendered":"https:\/\/juriserver.de\/youpod.stagin\/?post_type=youhelp&#038;p=1764"},"modified":"2025-07-11T09:35:04","modified_gmt":"2025-07-11T07:35:04","slug":"hate-speech-der-hass-im-netz","status":"publish","type":"youhelp","link":"https:\/\/juriserver.de\/youpod.stagin\/help\/hate-speech-der-hass-im-netz\/","title":{"rendered":"Hate Speech, der Hass im Netz"},"content":{"rendered":"<p><span>Der Umgangston im Internet wird immer rauer. Nicht verwunderlich, dass Hate Speech, oder auch zu Deutsch &#8220;Hassrede&#8221;, sich in den letzten Jahren zu einem breiten Ph\u00e4nomen im Internet entwickelt hat. Was zuerst rein sprachwissenschaftlich klingt, ist jedoch auch eine hoch politische und soziologische Erscheinung. Das bedeutet, dass es nicht nur um die Worte an sich geht, sondern auch um das, was sie in der Gesellschaft anrichten \u2013 digital und offline. \u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong>&#8220;Hassrede ist Krieg mit Worten&#8221; <\/strong><div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>Dr. Norbert Reichel, Ministerium f\u00fcr Schule und Weiterbildung, Fachtagung Hatespeech 2017 \u00a0<\/p>\n<p>Hatespeech ist im Netz Zuhause. Worte werden eingesetzt, um auf sozialen Plattformen, in Foren und auf Blogs gezielt Menschen herabzusetzen, sie zu provozieren und zu beleidigen. Sie sind oftmals rassistisch, antisemitisch oder sexistisch und richten sich vorzugsweise an bestimmte Menschen und Gruppen, die in der Minderheit sind oder sich von der Masse durch bestimmte Merkmale absetzen. Neu ist das nicht. Hatespeech findet schlie\u00dflich nicht nur im Netz statt, sondern manifestiert sich auch au\u00dferhalb der digitalen Welt. In der Bahn, auf dem Schulhof, im allt\u00e4glichen Leben. Und vor allem: Jeder kann Opfer von Hatespeech werden.\u00a0<\/p>\n<p>Diese Form der Abwertung ist bisher nicht klar definiert worden. Auch der Europarat fasst sich sehr weit bei der Festlegung der Bedeutung:\u00a0<span>&#8220;(&#8230;) der Begriff &#8216;Hate Speech&#8217; umfasst nach diesem Verst\u00e4ndnis jegliche Ausdrucksformen, welche Rassenhass, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus oder andere Formen von Hass, die auf Intoleranz gr\u00fcnden, propagieren, dazu anstiften, sie f\u00f6rdern oder rechtfertigen, unter anderem Intoleranz, die sich in Form eines aggressiven Nationalismus und Ethnozentrismus, einer Diskriminierung und Feindseligkeit gegen\u00fcber Minderheiten und Menschen mit Migrationshintergrund ausdr\u00fcckt.&#8221; <a href=\"http:\/\/www.egmr.org\/minkom\/ch\/rec1997-20.pdf\">(Europarat, Ministerkomitee, Empfehlung Nr. (97) 20)<\/a>\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong>Meinungsfreiheit hat ihre Grenzen<\/strong><\/p>\n<p>Jugendliche und junge Erwachsene setzen sich mit Hate Speech auseinander, weil es sie entsetzt oder sie es als pers\u00f6nlich relevant halten. &#8220;Meinungsfreiheit ist nicht die Freiheit, alles zu sagen, was m\u00f6glich ist.&#8221; hei\u00dft es auf der Website von No-Hate-Speech und das ist richtig und wichtig. Sobald die W\u00fcrde des Menschen &#8220;angetastet&#8221; wird und eine Diskriminierung vorliegt, wird aus der &#8220;Meinung&#8221; eine Straftat. Doch im Netz f\u00fchlen wir uns schnell anonym, verstecken uns hinter manchmal hinter Nicknames und bauen die Hemmschwellen ab, die uns in der realen Welt offline davon abhalten, Dinge auszusprechen. So passiert es immer h\u00e4ufiger, dass Hate Speech-Verfasser auch mit Klarnamen ihre Botschaft verbreiten. \u00a0 \u00a0<\/p>\n<p><strong>Hate Speech hat viele Formen<\/strong><\/p>\n<p>Hassrede kann verschiedene Formen annehmen. So unterschiedlich die Absichten, so vielf\u00e4ltig sind auch die Arten. Die bekannteste Form ist sind die Trolle. Abgeleitet vom englischen Begriff trolling, was so viel bedeutet &#8220;k\u00f6dern&#8221; und eigentlich eine Form des Fischens beschreibt, zielen diese Menschen es auf die Emotionen anderer ab. Ohne direkte Beleidigung vermitteln sie unterschwellig St\u00f6rungen. Sie versuchen mit ihren Antworten zu provozieren und die Gef\u00fchle zu verletzen \u2013 ein sachlicher Austausch ist unm\u00f6glich.\u00a0<\/p>\n<p>Rechtsextremistischer Hass hingegen ist sehr direkt und offen herabw\u00fcrdigend. Beleidigungen, falsche Fakten und auch hin und wieder eine schwache Rechtschreibung zeichnen diese Beitr\u00e4ge aus. Dabei geht es darum, die betroffenen Personen schlecht zu machen und dar\u00fcber hinaus die eigene Weltauffassung zu verbreiten. Meinungsmache ohne oder mit falschen Fakten ist gef\u00e4hrlich und muss gestoppt werden. \u00a0\u00a0<\/p>\n<p><strong>Wer trollt denn da?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Die Forschung setzt sich zunehmend mit dem Ph\u00e4nomen auseinander. Eine von der Landesanstalt f\u00fcr Medien (LfM) aufgegebene forsa-Umfrage hat die Ethik im Netz untersucht. Hassrede wird da von Internet-Nutzern vornehmlich als feige wahrgenommen. Sie f\u00f6rdert aber auch Wut und Angst bei Internetusern und Betroffenen gleicherma\u00dfen.\u00a0<\/p>\n<p>Hinter der Hassrede verbergen sich Menschen, die soziale oder \u00f6konomische Probleme als Gefahr f\u00fcr das pers\u00f6nliche Leben wahrnehmen \u2013 egal, wie viel Wahrheitsgehalt die Aussagen besitzen. So kann man das menschenverachtende Gedankengut auch nicht bestimmten Bev\u00f6lkerungsgruppen zuweisen. Diese Form der Kommunikation wird teilweise auch professionell betrieben: \u00a0So beauftragen meist politische Auftraggeber Menschen, um gezielt zu trollen oder gewisse Meinungen zu verbreiten. \u00a0 \u00a0 \u00a0<\/p>\n<p><strong>Hatern keinen Raum bieten<\/strong><\/p>\n<p>Wichtig ist: Nicht stumm bleiben, egal ob als Betroffener oder Mitleser. Das Internet ist die Erweiterung des gesellschaftlichen Raumes. Was wir im wahren Leben auf der Stra\u00dfe nicht guthei\u00dfen, sollten wir auch online verurteilen.\u00a0<\/p>\n<p>Hasskommentare werden von Mitlesern am ehesten gemeldet, wenn sie nicht gar ignoriert werden. Nur wenige setzen sich mit dem Kommentar auseinander, rufen das Profil des Verfassers auf und reden mit anderen Menschen dar\u00fcber. Am sinnvollsten ist es, direkt auf den Hasskommentar zu reagieren, das tun laut Studie jedoch nur rund zwei Prozent. Wer nicht reagiert, unterst\u00fctzt die Szene des Hasses.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Aktive Antidiskriminierung mit logischen Antworten und Witz<\/strong><\/p>\n<p>Die sogenannte Counterspeech kann jeder verfassen. Wichtig ist vor allem, solchen Menschen keine Akzeptanz entgegen zu bringen. Mache deutlich, dass du davon nichts h\u00e4ltst \u2013 es lesen mehr Menschen online mit, als sich tats\u00e4chlich \u00e4u\u00dfern und viele sind deiner Meinung. Da ist es wichtig, eine Gegenlobby zu bilden und aktiv zu werden. Sag deine Meinung, argumentiere um den Wind aus den Segeln zu nehmen oder mache dir eine geh\u00f6rige Portion Humor zu Eigen. Mit witzigen Antworten, einfachen Memes oder Gifs hebt man das Gespr\u00e4ch auf eine ganz andere Ebene und l\u00e4sst die Hate Speech ins Leere laufen. \u00a0<\/p>\n<p><strong>Rechtliche Schritte sind m\u00f6glich und n\u00f6tig<\/strong><\/p>\n<p>Hatespeech selber ist kein juristischer Begriff, was die beispielhafte Handhabung schwierig gestaltet. Im deutschen Recht gibt es nur zul\u00e4ssige und unzul\u00e4ssige Aussagen. Schlie\u00dflich gibt es in Deutschland auch das hochgehaltene Recht zur Meinungs\u00e4u\u00dferung. Dieses ist jedoch durch Schranken wie dem Schutz der Jugend und das Recht auf pers\u00f6nliche Ehre eingegrenzt. Werden diese Aspekte verletzt, so k\u00f6nnen Hass-Stifter vom Staat durch allgemeine Gesetze, wie zum Beispiel dem Verbot des Aufrufes zu Straftaten, rechtlich belangt werden. Dies geschieht auch bei Volksverhetzung, was au\u00dferjuristisch dem Begriff Hate Speech am n\u00e4chsten kommt. Hier ist jedoch der Teilbereich, wo das Gesetz zur Anwendung kommt, eher klein. Am bedeutsamsten ist das Recht auf pers\u00f6nliche Ehre, um gegen Hassreden vorzugehen. Im Einzelfall wird gepr\u00fcft ob sachliche Ankn\u00fcpfungspunkte f\u00fcr die Wortwahl vorliegen.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Wer hilft mir weiter?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Hate Speech ist mittlerweile eine etablierter Begriff und das Problem ist bekannt. Eine erste Anlaufstelle bietet die<a href=\"https:\/\/no-hate-speech.de\/\"> No Hate Speech- Initiative<\/a> vom &#8220;Bundestrollamt gegen digitalen Hass&#8221;. Auf der Website gibt es viele unterhaltsame Memes und Gifs zum Download und weiterf\u00fchrende Hilfe. Die Amadeu-Antonio-Stiftung hingegen liefert tiefergehende Informationen zu <a href=\"https:\/\/www.amadeu-antonio-stiftung.de\/hatespeech\/was-ist-ueberhaupt-hate-speech\/\">Begrifflichkeiten<\/a>, der rechtlichen Lage und orientiert sich an den betroffenen Zielgruppen, wie <a href=\"http:\/\/www.amadeu-antonio-stiftung.de\/w\/files\/pdfs\/hetze-gegen-fluechtlinge.pdf\">Fl\u00fcchtlingen<\/a>.\u00a0<div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>Auch die <a href=\"http:\/\/www.belltower.news\/\">Belltower-News<\/a>, ehemals Netz gegen Nazis, macht sich f\u00fcr eine digitale Zivilgesellschaft stark.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Umgangston im Internet wird immer rauer. 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