{"id":26725,"date":"2011-11-03T09:36:51","date_gmt":"2011-11-03T08:36:51","guid":{"rendered":"https:\/\/juriserver.de\/youpod.stagin\/?post_type=youhelp&#038;p=26725"},"modified":"2025-07-11T09:38:17","modified_gmt":"2025-07-11T07:38:17","slug":"rechtsextremismus","status":"publish","type":"youhelp","link":"https:\/\/juriserver.de\/youpod.stagin\/help\/rechtsextremismus\/","title":{"rendered":"Rechtsextremismus"},"content":{"rendered":"<p>Das Wort Rechtsextremismus ist in aller Munde und doch wissen die wenigsten, was und wer sich alles dahinter verbirgt. Hier bekommt ihr eine Einf\u00fchrung ins Thema.<div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\nWundert euch nicht, wenn ihr auf verschiedene Definitionen f\u00fcr &quot;Rechtsextremismus&quot; sto\u00dft \u2013 der Begriff ist mehrdeutig und unpr\u00e4zise und in der Wissenschaft umstritten. Trotzdem l\u00e4sst sich rechtsextremistisches Denken auf einen Kern reduzieren: Es lehnt die Freiheit und die Gleichheit (bzw. Gleichwertigkeit) aller Menschen grunds\u00e4tzlich ab. &quot;Rechtsextremismus&quot; ist eine Kombination verschiedener Einstellungen \u2013 und einige von ihnen sind bis weit in die Mitte der Gesellschaft hinein verbreitet.<div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\n<b>Konsens-Definition f\u00fcr Rechtsextremismus<\/b><div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\nBis heute streiten Experten um eine Definition des Begriffs &quot;Rechtsextremismus&quot;. Aus Anlass einer breit angelegten Bev\u00f6lkerungsumfrage zum Thema bat die Friedrich-Ebert-Stiftung im Jahr 2006 elf f\u00fchrende Sozialwissenschaftler, sich auf eine Beschreibung zu einigen. Dies kam dabei heraus:<div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\n&quot;Der Rechtsextremismus ist ein Einstellungsmuster, dessen verbindendes Kennzeichen Ungleichwertigkeitsvorstellungen darstellen. Diese \u00e4u\u00dfern sich im politischen Bereich in der Affinit\u00e4t zu diktatorischen Regierungsformen, chauvinistischen Einstellungen und einer Verharmlosung bzw. Rechtfertigung des Nationalsozialismus. Im sozialen Bereich sind sie gekennzeichnet durch antisemitische, fremdenfeindliche und sozialdarwinistische Einstellungen.&quot;<div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\n<b>Kombination aus inhumanen Einstellungen<\/b><div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\nRechtsextremistisches Denken ist also eine Kombination von verschiedenen, inhumanen Einstellungen, beispielsweise Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus, von Sexismus (Diskriminierung aufgrund des Geschlechts), Autoritarismus (Bef\u00fcrwortung einer Diktatur) und Chauvinismus (der Glaube an die \u00dcberlegenheit der eigenen Gruppe). Rechtsextremisten meinen zum Beispiel, dass die Zugeh\u00f6rigkeit eines Menschen zu einer ethnischen Gruppe von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung f\u00fcr ihn ist, dass jede und jeder seine F\u00e4higkeiten, sein Verhalten, sein Denken vorbestimmt. V\u00f6lkische Rechtsextremisten \u2013 beispielsweise in der NPD \u2013 fordern explizit, dass jeder Einzelne sich und seine Interessen dem Kollektiv (&quot;der Volksgemeinschaft&quot;) unterzuordnen hat. Oft beziehen sie sich positiv auf den Nationalsozialismus, dessen Verbrechen sie dabei relativieren (siehe: Revisionismus).<div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\nElemente rechtsextremer Ideologien sind in der Bev\u00f6lkerung weit verbreitet; in gewissem Sinne ist der Begriff &quot;Rechtsextremismus&quot; deshalb irref\u00fchrend, weil er suggeriert, dass er bei einer kleinen, extremen Gruppe am Rand der Gesellschaft vorhanden ist. Eine Studie des Sinus-Institut 1979\/80 im Auftrag der Bundesregierung ermittelte einen Anteil von 13 Prozent der Bundesb\u00fcrger mit einem geschlossenen, rechtsextremistischen Weltbild, dar\u00fcber hinaus h\u00e4tten 37 Prozent der 7000 Befragten eine autorit\u00e4re Einstellung gezeigt, die die Forscher als &quot;Br\u00fccke nach rechts&quot; bewerteten.<div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\n<b>Rechtsextremismus ist weit verbreitet<\/b><div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\nKurz nach der Wiedervereinigung ergaben vergleichende Untersuchungen in Ost- und Westdeutschland noch, dass rechtsextremistische Einstellungen in den neuen L\u00e4ndern weniger verbreitet waren als in den alten. Dieses Verh\u00e4ltnis hat sich inzwischen ge\u00e4ndert, was sich auch an den Wahlerfolgen der NPD in Ostdeutschland zeigt. Die bereits erw\u00e4hnte Studie der Ebert-Stiftung (&quot;Vom Rand zur Mitte&quot;) ergab hohe Zustimmungen zu rechtsextremistischen Aussagen in ALLEN Bundesl\u00e4ndern und in ALLEN gesellschaftlichen Schichten und Altersgruppen \u2013 Rechtsextremismus ist also kein Ost- und auch kein Jugend-Problem. 26 Prozent der Befragten stimmte beispielsweise der Aussage zu: &quot;Was Deutschland jetzt braucht, ist eine einzige, starke Partei, die die Volksgemeinschaft insgesamt verk\u00f6rpert.&quot; 37 Prozent sahen in Ausl\u00e4ndern vor allem Sozialschmarotzer, 18 Prozent hielten &quot;den Einfluss der Juden&quot; f\u00fcr &quot;zu gro\u00df&quot;. \u00dcbrigens sind Ausl\u00e4nderfeindlichkeit und Diktaturbef\u00fcrwortung im Osten weiter verbreitet als im Westen, dagegen werden Antisemitismus und Verharmlosung des Nationalsozialismus h\u00e4ufiger von West- als von Ostdeutschen vertreten.<div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\nDie gr\u00f6\u00dfte Studie zum Thema l\u00e4uft seit 2002 an der Universit\u00e4t Bielefeld: \u00dcber zehn Jahre erforschen die dortigen Wissenschaftler das gesellschaftliche Klima in Deutschland, ihre Ergebnisse ver\u00f6ffentlichen sie j\u00e4hrlich in Buchform (&quot;Deutsche Zust\u00e4nde&quot;, Suhrkamp Verlag). Sie sprechen nicht von &quot;Rechtsextremismus&quot;, sondern von &quot;Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit&quot; \u2013 eben weil Rechtsextremisten ihre Ablehnung bestimmter Menschen mit deren (tats\u00e4chlicher oder unterstellter) Zugeh\u00f6rigkeit zu bestimmten Gruppen begr\u00fcnden. So untersucht die Bielefelder Studie die Feindschaft beispielsweise gegen\u00fcber Fremden, Juden, Obdachlosen, Behinderten, Muslimen oder Frauen \u2013 und kann ebenfalls zeigen, dass die Diskriminierung solcher Personen von gro\u00dfen Teilen der Bev\u00f6lkerung geteilt wird.<div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\nRechtsextremistische Einstellungen f\u00fchren allerdings nicht automatisch zu rechtsextremistischem Verhalten. Bei weitem nicht alle B\u00fcrger mit rechtsextremem Weltbild geben bei Wahlen ihre Stimme auch wirklich rechtsextremistischen Parteien. Die wenigsten Rechtsextremen (am ehesten noch junge M\u00e4nner) setzen ihre menschenfeindlichen Ansichten auch in Gewalttaten um. Wahlergebnisse beispielsweise der NPD oder die Zahlen f\u00fcr rechtsextreme Kriminalit\u00e4t spiegeln deshalb das Problem nur unzureichend wieder.<div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\n<b>Verschiedene extreme Gruppen<\/b><div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\nDie organisierte extreme Rechte besteht aus vielen verschiedenen Gruppen und Str\u00f6mungen, die sich in der ideologischen Ausrichtung unterscheiden \u2013 die teils miteinander kooperieren, teils konkurrieren oder sich gar direkt bek\u00e4mpfen. Zur Beschreibung ihres Charakters werden oft die noch unsch\u00e4rferen Begriffe &quot;rechtsradikal&quot; oder &quot;rechtspopulistisch&quot; verwendet \u2013 pr\u00e4ziser w\u00e4re es, die jeweils vorhanden Elemente extrem rechten Denkens zu benennen, also von &quot;rassistischen&quot;, &quot;antisemitischen&quot; oder &quot;autorit\u00e4ren&quot; Gruppen zu sprechen.<\/p>\n<p><i>Wenn ihr mehr zum Thema erfahren wollt, k\u00f6nnt ihr hier weiterlesen:&nbsp;<link http:\/\/www.netz-gegen-nazis.de>www.netz-gegen-nazis.de.<\/link><\/i> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Wort Rechtsextremismus ist in aller Munde und doch wissen die wenigsten, was und wer sich alles dahinter verbirgt. 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