{"id":19962,"date":"2017-05-23T09:42:24","date_gmt":"2017-05-23T07:42:24","guid":{"rendered":"https:\/\/juriserver.de\/youpod.stagin\/?post_type=younews&#038;p=19962"},"modified":"2025-07-11T09:37:18","modified_gmt":"2025-07-11T07:37:18","slug":"zwischen-poesie-und-podium-netzheldin-kim-ueber-das-schreiben","status":"publish","type":"younews","link":"https:\/\/juriserver.de\/youpod.stagin\/news\/zwischen-poesie-und-podium-netzheldin-kim-ueber-das-schreiben\/","title":{"rendered":"Zwischen Poesie und Podium: Netzheldin Kim \u00fcber das Schreiben"},"content":{"rendered":"<p><span><strong>Kim Salmon ist 17 Jahre und lebt in der N\u00e4he von Frankfurt. Sie schreibt seit vielen Jahren zu allen m\u00f6glichen Themen im Netz und hat auch schon verschiedene Preise gewonnen. Neben dem 1. Platz beim Wettbewerb #netzheldin vom MGEPA und LizzyNet hat sie den Theo2015 gewonnen, den Berlin-Brandenburgischen Preis f\u00fcr junge Literatur.\u00a0<\/strong><\/span><\/p>\n<p><strong>Du warst auf der Fachtagung f\u00fcr Hate Speech. Kannst du kurz umreissen worum es dabei geht?<\/strong><\/p>\n<p>Hate Speech ist ein Ph\u00e4nomen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit im Internet. Diese wird in verschiedenen Situationen, in Kommentaren und auf Facebook ge\u00e4u\u00dfert. Auf der Fachtagung wurde thematisiert was es ist und was man dagegen machen kann.\u00a0<\/p>\n<p>Ich wurde eingeladen, weil ich einmal einen Schreibwettbewerb von Lizzynet gewonnen habe. Der Wettbewerb wurde vom Bundesministerium f\u00fcr Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter. Dadurch wurde mir der Kontakt hergestellt, sodass ich seitdem von Kongress zu Kongress toure und dort meinen Text vortrage.\u00a0<\/p>\n<p>Durch meinen Blog habe ich selber Erfahrungen mit Hate Speech gemacht. Von Nazi Drohungen bis hin zu Leuten, die mit halb seri\u00f6sen Studien p\u00f6beln. \u00dcber solche Leute, die nur Stress suchen, habe ich mich in dem Text aufgeregt und einen offenen Brief an sie verfasst.\u00a0<\/p>\n<p><strong><div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/><\/strong><\/p>\n<p><strong>Wie bist du zum Schreiben und zum Poetry Slammen gekommen?<\/strong><\/p>\n<p>Zum Schreiben schon vor ganz langer Zeit, weshalb ich mich nicht genau daran erinnere. Mit 13 ist das Schreiben intensiver geworden. Da bin ich auf das Literaturhaus Frankfurt gestossen und habe dort im Rahmen einer Ausschreibung an meinem ersten Literaturworkshop teilgenommen. Auf diese Weise fand ich den Weg in ein Netzwerk aus anderen Schreibern, die das schon mehrere Jahre lang machten. \u00c4hnlich war es beim Poetry Slam. In Wolfenb\u00fcttel war ich auf einem Literaturworkshop und nahm da an einem U18-Poetry-Slam teil.\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>Worum ging es damals in deinem Poetry Slam?<\/strong><\/p>\n<p>In der ersten Runde habe ich ein Gedicht \u00fcber Schreibblockaden vorgetragen. In der zweiten, finalen Runde habe ich einen Prosatext verfasst, der mit der Jury von solchen Literaturwettbewerben abrechnete. Die haben alle kreatives Schreiben, Kulturwissenschaft oder Komparatistik studiert, was ich satirisch etwas aufzog.\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>Man merkt, dass du eine auffallende Pers\u00f6nlichkeit bist. Auch dein Blog sticht durch seinen Titel \u201eteilzeitanarchistin\u201c hervor. Was hat es damit auf sich?<\/strong><\/p>\n<p>(lacht) Ich war 14, suchte einen Titel und fand ihn cool. Ich dachte mir, dass der Staat auf jedenfall erhalten bleiben soll, ein bisschen mehr Freiraum aber ganz gut w\u00e4re. Heute w\u00fcrde ich ihn aber nicht mehr w\u00e4hlen.<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>Dein letzter Blogbeitrag war &#8220;Warum ich so selten schreibe&#8221;.<\/strong><\/p>\n<p>Der ist im Rahmen eines Poetry Slams entstanden. Ich hatte vorher l\u00e4ngere Zeit nicht geschrieben, aufgrund der ganzen Abivorbereitungen. Einen Tag vor der Bioklausur habe ich den Beitrag mit einer kleinen Erkl\u00e4rung hochgeladen, um ein bisschen runterzukommen.\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>Wie w\u00fcrdest du deinen Schreibstil beschreiben?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Ein wenig salopp. Hoffentlich etwas locker. Ich mag Sprachspiele sehr gerne.\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>Die Texte, die ich bisher von deinem Blog kenne, sind sehr interessant und tiefgr\u00fcndig. Richtest du dich beim Verfassen nach einem bestimmten Sinn?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Meistens habe ich ein bestimmtes Thema, das mich f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit besch\u00e4ftigt. Manchmal geht es mir auch um eine kleine Situation, \u00fcber die ich schreiben will, die ich einfangen will ohne dass es einen politischen Ansto\u00df geben soll.\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>Was sind Themen \u00fcber die du gerne schreibst?<\/strong><\/p>\n<p>Ich schreibe gerne \u00fcber politische Themen und ungew\u00f6hnliche Begegnungen. Zum Beispiel habe ich vor einiger Zeit angefangen absurde Minidramen zu schreiben. Das sind kurze komische Geschichten, wie ein Streitgespr\u00e4ch \u00fcber die wahre Bedeutung des Erz\u00e4hlens. Oder dass Jesus eines Tages einen Koffer abstellt und f\u00fcr einen Terroristen gehalten wird.<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>Also liegt deine Inspiration doch eher im Alltag?<\/strong><\/p>\n<p>Genau.<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>Sind alle Slam-Texte tiefgr\u00fcndig?<\/strong><\/p>\n<p>Die Texte, die wirklich tiefgr\u00fcndig sind, wirken im ersten Moment nicht so. Solche, in denen Leute vor sich hinpoltern, bleiben am ehesten h\u00e4ngen als Texte, die bewusst tiefgr\u00fcndig verfasst wurden. Damit fliegen sie auf die Nase, weil sie es auf eine Art anpacken, die ihnen oder dem Publikum nicht liegt. Das ist langweilig und wirkt gezwungen.<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>Deine Top 3 Poetry Slammer?<\/strong><\/p>\n<p>Definitiv Lars Ruppel, weil er der erste war, den ich in dem Kontext geh\u00f6rt habe. Er macht viele Gedichte \u00fcber falschverstandene Redewendungen, was unglaublich witzig ist.<\/p>\n<p>Dann Kaleb Erdmann. Er macht B\u00fchnenprosa. Sehr rotzig, sehr witzig, sehr intelligent.<\/p>\n<p>Tanja Witte gef\u00e4llt mir auch gut. Mittlerweile macht sie keinen Poetry Slam mehr, sondern schreibt Romane und macht Spoken Word Kunst, weil sie die Wettbewerbsatmosph\u00e4re nicht mehr mag.\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>Das klingt nach einem vielseitigen Geflecht von Slammern, was du hier beschreibst. Wie w\u00fcrdest du die Community an sich beschreiben?<\/strong><\/p>\n<p>Nach oben hin immer weniger offen. In den Best-Ofs befinden sich meistens immer die gleichen Leute. Auf kleiner, lokaler Ebene gibt es viele junge Leute, die auch unterschiedlich drauf sind.\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>Wie funktionieren die Wettbewerbe?<\/strong><\/p>\n<p>Meistens kann man sich spontan anmelden. Seinen Text muss man hierf\u00fcr nicht vorher einschicken. Der Ablauf gestaltet sich relativ informell, da die Reihenfolge ausgelost wird und jeder f\u00fcnf Minuten f\u00fcr seinen Auftritt hat. Der Gewinner wird dann durch das Publikum entschieden, in manchen F\u00e4llen gibt es zwei Runden, die mit dem Publikumsentscheid und einer Applaus-basierten Entscheidung enden.\u00a0<\/p>\n<p>Ich habe aber auch schon Male erlebt, wo man spontan hinkommt und eine Schule von 20 Leuten vor Ort ist. Die Sch\u00fcler haben am Tag davor nat\u00fcrlich schon eine Generalprobe gemacht. Die Reihenfolge ist ausgekl\u00fcgelt und es gewinnt am Ende diejenige, die am meisten Familie da hat. Aber das ist dann die Ausnahme.<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>W\u00fcrdest du sagen, man kann mit Poetry Slam sein Lebensunterhalt verdienen?<\/strong><\/p>\n<p>Man kann es machen, w\u00fcrde ich aber nicht wollen. Ich m\u00f6chte in Richtung Schreiben gehen, w\u00e4hrend Poetry Slam ein Hobby bleibt.\u00a0<\/p>\n<p>Was ich mir vorstellen kann w\u00e4re Drehbuch. Ich probiere es mal an der Filmhochschule. Vorher mache ich ein Jahr im Ausland.\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>Was w\u00fcrdest du Anf\u00e4ngern raten?<\/strong><\/p>\n<p>Man sollte sich dar\u00fcber bewusst werden, dass man nicht an eine Form gebunden ist. Auch wenn vieles in Gedichtform vorgetragen wird, kann man genauso gut mit einem Prosatext gewinnen. Die einzigen Regeln sind ja f\u00fcnf Minuten, keine Requisiten, keine Musik und nat\u00fcrlich dass es selbstgeschrieben ist.\u00a0<\/p>\n<p>Freunde mitnehmen ist immer gut, so macht der Slam umso mehr Spa\u00df und es ist nicht so schlimm wenn man verliert. Da keine Angst vor Misserfolgen haben, es liegt nicht unbedingt am Vortragenden. Und es ist wenig Hass dort.<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>Wir danken Kim Salmon f\u00fcr ihre Zeit und w\u00fcnschen ihr alles Gute in ihrem Freiwilligenjahr in Tschechien!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kim Salmon ist 17 Jahre und lebt in der N\u00e4he von Frankfurt. 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