{"id":20396,"date":"2023-01-16T17:00:41","date_gmt":"2023-01-16T16:00:41","guid":{"rendered":"https:\/\/juriserver.de\/youpod.stagin\/?post_type=younews&#038;p=20396"},"modified":"2025-07-11T09:37:22","modified_gmt":"2025-07-11T07:37:22","slug":"hannah-und-mara-campen-in-luetzerath-fuers-klima","status":"publish","type":"younews","link":"https:\/\/juriserver.de\/youpod.stagin\/news\/hannah-und-mara-campen-in-luetzerath-fuers-klima\/","title":{"rendered":"Hannah und Mara campen in L\u00fctzerath f\u00fcrs Klima"},"content":{"rendered":"<p><span><strong><em>Die Stimmung im Camp in der N\u00e4he von L\u00fctzerath ist am Samstagmorgen bedr\u00fcckt und angespannt. Alle bereiten sich auf die gro\u00dfe Demonstration vor, zu der viele Organisationen aufgerufen haben. Ob die etwas ver\u00e4ndern wird und wie viele kommen werden, wei\u00df zu dem Zeitpunkt noch niemand. Das Camp ist nur wenige Kilometer vom Tagebau Garzweiler entfernt, der um ein gro\u00dfes Gebiet erweitert werden soll. Hier wird Braunkohle abgebaut. Daf\u00fcr muss das kleine Dorf L\u00fctzerath weichen. Die Situation im Camp erinnert eigentlich an ein Festival: \u00fcberall junge Leute, Zelte und Dixi-Klos. Der gro\u00dfe Unterschied: Hier l\u00e4uft keine Musik. Die Menschen sammeln ihre Kr\u00e4fte f\u00fcr weitere Aktionen, um die R\u00e4umung von L\u00fctzerath hinauszuz\u00f6gern. Hier schlafen rund 3000 Aktivist*innen. Unter ihnen sind Hannah und Mara.<\/em><\/strong><\/span><\/p>\n<p>Die beiden engagieren sich neben ihrem Studium seit 2019 bei Fridays for Future D\u00fcsseldorf. Mara (19) studiert Sozialwissenschaften und Hannah (21) Medizin. Das Studium und den Aktivismus unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer leicht. &#8220;Fr\u00fcher hat die Schule ein bisschen darunter gelitten, heute ist es das Studium&#8221;, erz\u00e4hlt Hannah. &#8220;Aber es macht auch einfach Spa\u00df sich gemeinsam mit vielen tollen Menschen f\u00fcrs Klima einzusetzen&#8221;, f\u00fcgt Mara hinzu.<\/p>\n<p><strong>Darum wird demonstriert<\/strong><\/p>\n<p>Der Anlass des Camps ist ein Deal zwischen der Landesregierung NRW und dem Energiekonzern RWE. Die Landesregierung aus CDU und den Gr\u00fcnen hat mit RWE vereinbart, dass der Kohle-Ausstieg von 2038 auf 2030 vorgezogen wird, daf\u00fcr jedoch die Kohle unter L\u00fctzerath und dem Gebiet darum abgebaut werden darf. In dem Dorf leben schon l\u00e4nger keine Menschen mehr, da bereits 2006 mit der R\u00e4umung begonnen wurde und das Gebiet mittlerweile der Firma RWE geh\u00f6rt. Kritiker*innen sagen, dass so das 1,5-Grad-Ziel, das im Pariser Klimaabkommen beschlossen wurde, nicht eingehalten werden k\u00f6nne und stellen sich daher gegen die R\u00e4umung.<\/p>\n<p><strong>Engagement trotz Regen, Wind und Wetter<\/strong><\/p>\n<p>Gleich in der N\u00e4he von L\u00fctzerath und dem Tagebau Garzweiler befindet sich das Camp, das den Namen &#8220;Unser Aller Camp&#8221; tr\u00e4gt. Dieser Ort ist auch f\u00fcr die beiden Aktivistinnen etwas Besonderes. Sie haben zwar schon Klima-Camps besucht, aber bei diesem sei die Stimmung anders. &#8220;Alle sind etwas bedr\u00fcckt, weil einige Aktivist*innen schon sehr anstrengende Tage oder Wochen hinter sich haben. Dann kommt auch noch der Regen dazu, sodass der Boden total matschig ist&#8221;, betont Mara.<\/p>\n<p>Unter diesen Bedingungen w\u00fcrden viele Jugendliche sicherlich gerne auf der Couch in der warmen Wohnung sitzen. Doch das kommt f\u00fcr Hannah und Mara nicht in Frage: &#8220;Wir k\u00f6nnten es nicht mit unserm Gewissen vereinbaren, nicht hier zu sein. Wir finden den Deal zwischen RWE und der Landesregierung schlimm und absurd. Die Nicht-Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels ist ein Todesurteil f\u00fcr unz\u00e4hlige Menschen, die an den Folgen der Klimakatastrophe sterben werden&#8221;, sagt Mara.<\/p>\n<p><strong>Wird die Kohle wirklich gebraucht?<\/strong><\/p>\n<p>Inwiefern L\u00fctzerath konkret eine Rolle f\u00fcr das 1,5-Grad-Ziel spielt, ist schwer zu sagen. Dennoch ist jedes Kilo Kohle, dass verbrannt wird, generell sch\u00e4dlich f\u00fcrs Klima. Laut der Umweltorganisation BUND ist Braunkohle sogar der klimasch\u00e4dlichste aller Energietr\u00e4ger. Auch ob die Kohle unter dem Gebiet wirklich gebraucht wird, ist umstritten. Eine unabh\u00e4ngige Studie des Deutschen Instituts f\u00fcr Wirtschaftsforschung besagt, dass die Ausweitung des Tagesbaus f\u00fcr den Energiehaushalt in Deutschland, trotz Energie-Krise, nicht notwendig sei. Eine andere Studie, die von der Landesregierung angefordert wurde und unter anderem Daten der Firma RWE nutzt, kommt zu einem anderen Ergebnis. &#8220;Die Studie ist unter viel Zeitdruck entstanden und benutzt keine unabh\u00e4ngigen Quellen&#8221;, sagt Hannah. &#8220;Das finden nicht nur wir: 700 Wissenschaftler*innen fordern mit einem gemeinsamen Aufruf, die R\u00e4umung von L\u00fctzerath zu stoppen.&#8221;<\/p>\n<p>F\u00fcr Mara und Hannah bedeutet das, dass die Profite der Firma RWE h\u00f6hergestellt werden als die Klimaziele. Darum demonstrieren sie. &#8220;Wir m\u00f6chten die R\u00e4umung des Dorfes einfach so lange wie m\u00f6glich hinausz\u00f6gern&#8221;, sagt Mara. &#8220;Durch die Demo heute ist die Polizei hoffentlich besch\u00e4ftigt und kann nicht weiter das Dorf r\u00e4umen. Wir hoffen, dass die Gr\u00fcnen dann merken, wie gro\u00df die Emp\u00f6rung \u00fcber diesen Deal ist und zugeben, dass das Gutachten noch einmal gepr\u00fcft werden muss.&#8221;<\/p>\n<p><strong>Ausschreitungen auf der Demo<\/strong><\/p>\n<p>Daf\u00fcr demonstrieren an diesem Samstag tausende Menschen. Von 15.000 spricht die Polizei, von 35.000 sprechen die Veranstalter*innen. Auf der Demo haben die beiden Aktivistinnen wichtige Rollen: Hannah \u00fcbernimmt die Pressearbeit und Mara begleitet den Demo-Zug, um laut Stimmung zu machen. Dazu geh\u00f6ren Rufe wie &#8220;L\u00fctzi bleibt!\u201c oder &#8220;Kohle Stopp&#8221;. W\u00e4hrend der Demo merkt man, dass die Aktivist*innen mit vollem Herzen dabei sind und mit ganzer Kraft die Parolen rufen. Ab und zu gibt es sogar musikalische Begleitung durch eine Blaskapelle oder Redebeitr\u00e4ge auf kleinen B\u00fchnen.<\/p>\n<p>Die Demonstration verl\u00e4uft insgesamt friedlich, aber an einigen Stellen kommt es zu Zusammenst\u00f6\u00dfen zwischen Aktivist*innen und der Polizei. Mara erz\u00e4hlt, dass einige ihrer Freund*innen aus diesem Grund nicht dabei sein wollten. &#8220;Sie sehen Bilder, wo Aktivist*innen mit Steinen auf die Polizei werfen und m\u00f6chten das dann nicht unterst\u00fctzen. Ich kann das verstehen, aber erkl\u00e4re ihnen dann immer, dass das nur wenige sind, die dann von den Medien aufgegriffen werden. Au\u00dferdem wird meistens die Polizeigewalt nicht gezeigt, die oft noch gr\u00f6\u00dfer und unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig ist&#8221;, findet Mara.\u00a0<\/p>\n<p>An diesem Tag wurden nach Angaben des Sanit\u00e4rdienstes der Demonstrant*innen eine hohe zweistellige bis dreistellige Zahl der Aktivist*innen verletzt. Viele von ihnen schwer und einige sogar lebensgef\u00e4hrlich, berichtet eine Sprecherin. Die meisten Verletzungen stammten von Schlagst\u00f6cken auf den Kopf, Pfefferspray oder Faustschl\u00e4gen. Auf Seiten der Polizei gab es ebenfalls 70 Verletzte. Dies ist jedoch nach Angaben der Polizei nicht allein auf die Aktivist*innen zur\u00fcckzuf\u00fchren, denn durch den Wind haben auch Polizist*innen Pfefferspray abbekommen oder sind im schlammigen Boden umgeknickt. Das zeigt: Die Lage ist schwer einzusch\u00e4tzen, denn bei der Polizei werden Verletzungen viel genauer dokumentiert.<\/p>\n<p><strong>Einsatz f\u00fcr eine klimagerechte Zukunft<\/strong><\/p>\n<p>Nach diesem Tag werden viele Bilder von Gewalt verbreitet. Doch was auch passiert ist: Zigtausende Menschen riefen und sangen friedlich f\u00fcr eine klimagerechte Zukunft. Am Ende des Tages fahren die meisten Demonstrant*innen wieder nach Hause, doch Hannah, Mara und einige andere bleiben. Sie campen, um zu zeigen: &#8220;Unsere Tr\u00e4ume lassen sich nicht r\u00e4umen!&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Stimmung im Camp in der N\u00e4he von L\u00fctzerath ist am Samstagmorgen bedr\u00fcckt und angespannt. 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