{"id":21056,"date":"2019-04-06T00:53:57","date_gmt":"2019-04-05T22:53:57","guid":{"rendered":"https:\/\/juriserver.de\/youpod.stagin\/?post_type=younews&#038;p=21056"},"modified":"2025-07-11T09:37:27","modified_gmt":"2025-07-11T07:37:27","slug":"how-to-date-a-feminist-eine-rasante-und-schlagfertige-komoedie","status":"publish","type":"younews","link":"https:\/\/juriserver.de\/youpod.stagin\/news\/how-to-date-a-feminist-eine-rasante-und-schlagfertige-komoedie\/","title":{"rendered":"How to Date a Feminist \u2013 Eine rasante und schlagfertige Kom\u00f6die"},"content":{"rendered":"<p><em>Bevor du etwas sagst, will ich mich bei dir entschuldigen. Ich m\u00f6chte mich entschuldigen f\u00fcr das Patriarchat. Wenn wir zusammenbleiben wollen, soll das nicht zwischen uns stehen.\u00a0<\/em><\/p>\n<p>K\u00f6nnen M\u00e4nner Feministen sein? Und wie gehen Feminismus und eine Schw\u00e4che f\u00fcr Machos und Fuckboys zusammen? Diese Fragen behandelt die <strong>Londoner Autorin Samantha Ellis<\/strong> in ihrer rasanten Kom\u00f6die<strong><em> How to Date a Feminist?<\/em><\/strong>. Hier entlarvt sie die Geschlechter- und Rollenklischees und zeichnet die aktuellen Debatten um Emanzipationsprozesse und Sexismus. Uraufgef\u00fchrt wurde das St\u00fcck 2016 in London, ehe es im vergangenen Dezember in Karlsruhe seine deutschsprachige Erstauff\u00fchrung feierte. Am <strong>Schauspiel K\u00f6ln<\/strong> hat sich das K\u00fcnstlerehepaar <strong>Yvon Jansen<\/strong> (Ensemblemitglied) und <strong>Rafael Sanchez<\/strong> (Hausregisseur) mit der Kom\u00f6die befasst und es als <strong>Regie- und Schauspielduo<\/strong> in der Au\u00dfenspielst\u00e4tte am Offenbachplatz auf die B\u00fchne gebracht. <strong>Premiere <\/strong>war am <strong>5. April<\/strong>.<\/p>\n<p>Steve ist Feminist und Kate steht voll auf Machos. Unterschiedlicher k\u00f6nnten die beiden kaum sein und doch finden sie einander unwiderstehlich. Die beiden lernen sich auf einer Kost\u00fcmparty kennen, auf der sie als Wonderwoman und er als Robin Hood auftritt. Steve und Kate verlieben sich ineinander, werden ein Paar und wollen schlie\u00dflich heiraten. Alles halb so wild, wenn nicht auch die Eltern die gro\u00dfe Differenz, die es zwischen den beiden ja ohnehin gibt, verst\u00e4rken w\u00fcrden: Kates Vater Joe hat seine einzige Tochter wohlbeh\u00fctet in einem Londoner Vorort gro\u00dfgezogen und ist durch und durch von der alten Schule. Steves Mutter Morag hingegen hat ihren Sohn in einem Frauenprotestcamp aufwachsen lassen und ist eine vollbl\u00fctige Friedensaktivistin. Entgegen aller Erwartungen beginnt es zwischen beiden sogar m\u00e4chtig zu funken, als sie sich auf der Hochzeit ihrer Kinder kennenlernen. Im Gegensatz dazu steht die Ehe des frisch getrauten Paares gleich zu Beginn unter keinem guten Stern: Erst erwischen sie ihre Eltern beim Sex miteinander und dann kracht es zwischen den beiden auch noch so hart, dass ihre Beziehung m\u00e4chtig br\u00f6ckelt und eine Trennung kurz bevor steht. Schaffen es die beiden mehr aufeinander zuzugehen und noch ein richtiges Paar zu werden?<\/p>\n<p>In der Jansen &amp; Sanchez Inszenierung h\u00e4ngt zu Beginn ein hellgr\u00fcner Vorhang an einer Leine, der den Gro\u00dfteil der dahinterliegenden B\u00fchnentiefe verdeckt. Rechts und links kann das Publikum aber nach hinten spinksen: An zwei Schminktischen, einer links und einer rechts, sitzen die beiden Darsteller*innen Yvon Jansen und Rafael Sanchez im Bademantel, checken nochmal die letzten WhatsApp-Nachrichten und schminken sich in den finalen Z\u00fcgen. Als sich die Einlasst\u00fcren schlie\u00dfen, stampft Sanchez nackt neben den Vorhang hervor und zieht ihn galant beiseite. Das B\u00fchnenbild entfaltet sich. Hinter den Schminktischen stet jeweils ein Garderobenst\u00e4nder mit reichlich Kost\u00fcmen drauf. Ein rosa-farbener Kreis ziert den Boden auf der B\u00fchnenmitte. Nach hinten trennen zwei orangene Stellw\u00e4nde das Spiel ab. Das Publikum kann die beiden dabei beobachten, wie sie sich aufbrezeln, ankleiden und nochmal die letzten Worte miteinander wechseln. Vor der Premiere. Oder doch vor einer Kost\u00fcmparty? Die beiden Ebenen werden elegant miteinander verwoben. Eine gro\u00dfe St\u00e4rke des Abends, denn die vierte Wand wird immer wieder aufgebrochen und die beiden steigen bewusst oder auch mal notd\u00fcrftig aus ihren Rollen heraus und pr\u00e4sentieren sich als sich selbst. Das ist ein h\u00f6chst sympathischer Schachzug, der auch als Sicherheitsnetz fungiert, falls einer mal einen Texth\u00e4nger hat oder kleine Fehler passieren. Denn man darf nicht vergessen, das Rafael Sanchez Regisseur und kein Schauspieler ist. Das merkt man durchaus: \u00dcbertriebene Gestik, kleinere Fehler und keine feine und pr\u00e4zise Figuren- bzw. Rollenarbeit. Zum Problem wird das aber nicht, denn die beiden harmonieren so gut miteinander und verraten diese Defizite so sympathisch, dass es h\u00f6chst am\u00fcsant und authentisch wirkt. Daf\u00fcr gibt es im Laufe des Abends auch immer wieder Szenenapplaus vom Publikum. Denn hier wird nicht nur geredet und gestritten, sondern auch Karaoke gesungen, sich umt\u00e4nzelt und liebevoll geknutscht. Den schnellen Kost\u00fcmwechseln (die beiden spielen an diesem Abend sechs Rollen), bei denen sie sich gegenseitig helfen und unterst\u00fctzen, zuzuschauen, macht gro\u00dfe Freude.\u00a0<\/p>\n<p>Klischees und Stereotype werden hier am Flie\u00dfband serviert: &#8220;My heart will go on&#8221; vom Band, ein Strauch roter Gl\u00fchbirnen, der wie ein Mistelzweig von der Decke h\u00e4ngt, Typ Macho vs. Typ Brillentr\u00e4ger, sch\u00fcchternes Knutschen auf einem rosafarbenen, raupen-f\u00f6rmigen Sitzkissen. Dazu bringt das K\u00fcnstlerpaar seine private Beziehung selten offensichtlich, aber oft sp\u00fcrbar unterschwellig mit ein. Der besondere H\u00f6hepunkt ist als private Familienbilder der beiden auf die R\u00fcckwand projiziert werden.\u00a0<\/p>\n<p>Dieser gro\u00dfartige Abend, vom Text wie von der Inszenierung her, wird vom Publikum mit tobendem, langem Applaus gew\u00fcrdigt. Eine rundum gelungene Kom\u00f6die, bei der auch nach erlischtem Licht noch weiter herzlich miteinander gelacht wird.\u00a0<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/youpod.de\/theater\">***<\/a><a href=\"https:\/\/youpod.de\/theater\">Noch mehr #Theatertipps findet ihr auf youpod.de\/theater.<\/a><a href=\"https:\/\/youpod.de\/theater\">***<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bevor du etwas sagst, will ich mich bei dir entschuldigen. Ich m\u00f6chte mich entschuldigen f\u00fcr das Patriarchat. 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