{"id":22921,"date":"2023-03-08T23:26:34","date_gmt":"2023-03-08T22:26:34","guid":{"rendered":"https:\/\/juriserver.de\/youpod.stagin\/?post_type=younews&#038;p=22921"},"modified":"2025-07-11T09:37:42","modified_gmt":"2025-07-11T07:37:42","slug":"frauen-leben-freiheit-demonstration-fuer-iran-am-frauenkampftag","status":"publish","type":"younews","link":"https:\/\/juriserver.de\/youpod.stagin\/news\/frauen-leben-freiheit-demonstration-fuer-iran-am-frauenkampftag\/","title":{"rendered":"Frauen, Leben, Freiheit: Demonstration f\u00fcr Iran am Frauenkampftag"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Anl\u00e4sslich des heutigen Frauenkampftages, des 8. M\u00e4rz, hat die iranische Frauenbewegung eine Demo vor dem Landtag organisiert. Wir waren f\u00fcr euch vor Ort, um euch von der Stimmung, den Eindr\u00fccken und den Geschichten der Menschen vor Ort zu erz\u00e4hlen.\u00a0<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Trotz niedriger Temperaturen und letzten Schneeresten auf der Wiese versammelte sich die Menge nach und nach vor einer gro\u00dfen B\u00fchne. Diese war dekoriert mit iranischen Flaggen und dem immer wiederkehrenden Motto&#8221;Frauen, Leben, Freiheit&#8221;, das Motto der feministischen Revolution im Iran. <\/p>\n<p><strong>&#8220;Iran kann so sch\u00f6n sein&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Auch die erste Gruppe, mit der wir sprachen, erw\u00e4hnte dieses Motto. Da sie erst seit acht Monaten in Deutschland ist, wei\u00df sie ganz genau wie es ihren Angeh\u00f6rigen im Iran ergeht. Obwohl sie noch nicht so gut Deutsch kann, \u00fcbersetzt Fatemeh (18) uns das Motto und f\u00fcr sie ist das Ziel klar: Free Iran. &#8220;Iran kann so sch\u00f6n sein, aber das Mullah-Regime und deren Politik unterdr\u00fcckt das&#8221;, sagt Bahare (31). Deshalb m\u00fcsse es nicht nur Ver\u00e4nderung geben, sondern Befreiung. Maryam, die schon seit vier Jahren in Deutschland ist, erz\u00e4hlt uns, dass sie t\u00e4glich Angst um ihre Familie hat. Immer wieder erreichen sie Nachrichten von Bekannten, die ins Gef\u00e4ngnis verschleppt und misshandelt und gefoltert werden. &#8220;Meine Familie, meine Kinder sind dort. Aber zur\u00fcck kann ich nicht mehr.&#8221;\u00a0<\/p>\n<p><strong>Internationale Solidarit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Unser Interview wird von einem &#8220;Frauen, Leben, Freiheit&#8221;-Ruf unterbrochen. Um die Menge ein wenig aufzuheizen, riefen zwei M\u00e4nner immer wieder Revolutionsges\u00e4nge in die Menge, die die Menge lautstark wiederholte. Einer war dabei besonders interessant. Er erklang n\u00e4mlich f\u00fcr die erste Rednerin, die nicht aus dem Iran, sondern aus der Ukraine stammte. Internationale Solidarit\u00e4t. Das war die Botschaft, die man aus diesem Zeichen mitnehmen konnte und die sich durch die gesamte Demonstration zog.\u00a0<\/p>\n<p><strong>&#8220;Putin weg! Mullahs weg!&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Die ukrainische Rednerin Anastasia Melnyk sprach \u00fcber die vielen Parallelen zwischen den beiden Bewegungen. Auch in der Ukraine geht es um die Freiheit und die Sicherheit der Frauen. Immer wieder h\u00f6re man von sexueller Gewalt gegen Frauen in den besetzten Gebieten. Als Waffe w\u00fcrde sie eingesetzt. Den Soldatinnen an der Front droht dabei das gleiche, wenn sie in Kriegsgefangenschaft gerieten. Genauso leiden die Menschen in den Grenzregionen an Verschleppungen von Frauen und ihren Kindern in russische Gebiete. Familien werden getrennt, Kinder werden ihren Eltern entrissen. Am Ende ihrer Rede erklingt dann der gemeinsame Ruf: &#8220;Putin weg! Mullahs weg!&#8221;. Die enge Zusammenarbeit der beiden Regime ist hier allen bekannt. F\u00fcr sie gilt: Gewinnen Sie einen der beiden Freiheitsk\u00e4mpfe, st\u00e4rkt das auch die anderen. Solidarit\u00e4t im gemeinsamen Kampf f\u00fcr Demokratie und Freiheit.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Kritik an deutscher\u00a0Doppelmoral\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Davon k\u00f6nnten wir noch etwas lernen, erz\u00e4hlt uns eine junge, deutsche Frau mit iranischen Wurzeln, die sich seit ihrer Schulzeit in der Politik engagiert. Vor allem die Doppelmoral \u00e4rgert sie. &#8220;Auf der einen Seite schicken wir der Ukraine Panzer, Geld, Hilfsmittel \u2026 Aber wenn es um den Iran geht, dann schaffen wir es noch nicht einmal, die brutalen Schl\u00e4ger der Revolutionsgarde (IRGC) auf die Terrorliste zu packen. Wieso wird um den zu Tode verurteilten Deutsch-Iraner Jamshid Sharmahd nicht mit allen Mitteln gek\u00e4mpft? Es ist doch die Pflicht eines Landes, ihre B\u00fcrger zu sch\u00fctzen&#8221;, sagt sie. <\/p>\n<p>Dass bei einem Unrecht die Augen verschlossen werden und beim anderen schnell geholfen wird, verletze viele Menschen im Iran und dadurch schwinde auch deren Vertrauen in den Westen. Unterst\u00fctzung und Sicherheit f\u00fcr Iraner in Deutschland m\u00fcsse gew\u00e4hrleistet werden. Und dazu geh\u00f6re auch die Untersuchung von Regimetreuen durch den Verfassungsschutz, st\u00e4rkere Sanktionierungen und die Zerschlagung von Zellen der IRGC in Deutschland.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Kritiker in Gefahr<\/strong><\/p>\n<p>Die IRGC ist eine Eliteeinheit der iranischen Streitkr\u00e4fte, deren Hauptaufgabe die Verteidigung des Mullah-Regimes und ihrer Staatsideologie ist. Seit Jahren werden schwere Vorw\u00fcrfe der Folter, Menschenrechtsverletzungen und auch der Terrorunterst\u00fctzung in anderen L\u00e4ndern gegen sie erhoben. Auch im Ausland soll es viele Mitglieder geben, die auch hier f\u00fcr Einsch\u00fcchterung und Gewalt sorgen.\u00a0<\/p>\n<p>Aus diesem Grund sollen wir auch den Namen der jungen Frau hier nicht schreiben. Besonders Menschen wie sie, die sich in der Politik engagieren, seien eine Zielscheibe f\u00fcr Anh\u00e4nger und Spitzel des Mullah-Regimes. Auch hier in Deutschland sei man stets in Gefahr.<\/p>\n<p>Ahmads (18) Vater kann deshalb heute auch nicht bei der Demo sein. Zu gef\u00e4hrlich sei das. Oft w\u00fcrden sich Mullah-Anh\u00e4nger in die Menge der Demonstrant*innen mischen. F\u00fcr Ahmad\u00a0ist es aber wichtig, sich zu engagieren. Junge Leute sollen sich aktiv in die Politik einbringen und dort die Ver\u00e4nderungen fordern. Ahmad selbst ist bei den Jungen Liberalen (Jugendpartei der FDP) und lernt gerade f\u00fcr sein Abitur. Manchmal muss er sich zwingen, weniger Nachrichten zu gucken, weil er sonst den Fokus f\u00fcr die Pr\u00fcfungsvorbereitung verliere. Es sei schwer, sich nicht von neuen Gr\u00e4ueltaten aus der Fassung bringen zu lassen. Das gelinge ihm nicht immer, denn die Ereignisse im Land seien dramatischer als man es hierzulande mitbekommt. Er habe auch Familie im Iran und langsam seien Nachrichten wie &#8220;Dein Onkel ist ins Gef\u00e4ngnis verschleppt worden, er wird wohl gefoltert werden&#8221; schon zur Normalit\u00e4t geworden. Seine Eltern seien, als er noch elf Jahre alt war, beide ins Gef\u00e4ngnis gekommen, sodass er zeitweise von seinen Gro\u00dfeltern aufgezogen worden ist.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Konakt zu\u00a0Verwandten ist schwer<\/strong><\/p>\n<p>Nachrichten von den Verwandten zu bekommen, wird von Zeit zu Zeit schwieriger. Immer wieder bricht die Verbindung zu Verwandten ab. Das Internet sei schon lange au\u00dfer Gefecht gesetzt. Besonders nach dem Giftanschlag auf die M\u00e4dchenschulen sei das schlimm gewesen, erz\u00e4hlt uns noch einmal die junge Frau. Denn ihre kleine Cousine geht immer noch regelm\u00e4\u00dfig zur Schule und viele Stunden, manchmal Tage liegen zwischen der Ungewissheit und der guten oder schlechten Nachricht, die von ihren Verwandten weitergegeben werden. Ihre Cousine hatte diesmal Gl\u00fcck. Bei ihnen ist es nicht zu Anschl\u00e4gen gekommen.<\/p>\n<p><strong>D\u00fcsseldorfs OB Keller redet bei Demo<\/strong><\/p>\n<p>Im Laufe des Nachmittags sind viele hochrangige Politiker des Landes zur Demonstration gekommen. Die NRW-Minister Nathanael Liminski (Minister f\u00fcr Bundes-, Europa- und internationale Angelegenheiten sowie Medien) und Josefine Paul (Ministerin f\u00fcr Familie und Integration) redeten ebenso wie der Oberb\u00fcrgermeister Stephan Keller und der selbst aus Teran im Iran stammende Generalsekret\u00e4r der FDP Bijan Dijr-Sarai. Auch die CDU-Landesfraktion konnte in ihrer Mittagspause vorbeikommen und einige Worte an die Menge richten.\u00a0<\/p>\n<p>Das sei genauso geplant worden, sagen uns sowohl die junge Frau als auch die Hauptveranstalterin der Demonstration. Das Event sei daf\u00fcr gedacht, gerade die Entscheider*innen unserer Politik zu adressieren, ihnen die Wichtigkeit und den Handlungsbedarf klarzumachen und diese ein bisschen anzutreiben. Deshalb wurde der Ort direkt vor dem Landesparlament und die fr\u00fche Uhrzeit gew\u00e4hlt. Zwar konnten um 14.30 Uhr weniger Aktivist*innen vorbeikommen, jedoch habe man bei den Politiker*innen Geh\u00f6r gefunden. Gro\u00dfdemonstrationen, wie im Januar, an denen viele tausende Menschen teilnehmen, seien in n\u00e4herer Zukunft wieder geplant.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Ein Tipp f\u00fcr euch:<\/strong> Wenn ihr euch f\u00fcr solche Events interessiert, aber Schule oder Ausbildung anstehen, k\u00f6nnt ihr bei euren Lehrer*innen oder Chef*innen nach einer Befreiung f\u00fcr die Zeit fragen. Auch Ahmad hat das so gemacht, da er die Demonstration durch seinen Nachmittagsunterricht sonst verpasst h\u00e4tte.\u00a0<\/p>\n<p>Mit einer letzten musikalischen Auff\u00fchrung des S\u00e4ngers Dariush Safari und einer Tanzgruppe iranischer Frauen, die den ganzen Tag mit bekannten iranischen Liedern begleiteten, endete die Demonstration gegen 17 Uhr.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anl\u00e4sslich des heutigen Frauenkampftages, des 8. M\u00e4rz, hat die iranische Frauenbewegung eine Demo vor dem Landtag organisiert. 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