{"id":23343,"date":"2017-04-13T18:21:45","date_gmt":"2017-04-13T16:21:45","guid":{"rendered":"https:\/\/juriserver.de\/youpod.stagin\/?post_type=younews&#038;p=23343"},"modified":"2025-07-11T09:37:46","modified_gmt":"2025-07-11T07:37:46","slug":"duesseldorfer-jugendrat-auf-bildungsfahrt-in-berlin","status":"publish","type":"younews","link":"https:\/\/juriserver.de\/youpod.stagin\/news\/duesseldorfer-jugendrat-auf-bildungsfahrt-in-berlin\/","title":{"rendered":"D\u00fcsseldorfer Jugendrat auf Bildungsfahrt in Berlin"},"content":{"rendered":"<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" ><strong>Vom 8. bis zum 12. April war der neue D\u00fcsseldorfer Jugendrat im Rahmen einer Bildungsfahrt in der Bundeshauptstadt Berlin. Dabei stand besonders die Auseinandersetzung mit der Demokratie und undemokratischen Systemen, wie dem NS-Regime und der DDR, aber auch das Kennenlernen untereinander im Vordergrund.<div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/><\/strong><div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>Nach einer 5-st\u00fcndigen Fahrt mit dem ICE kamen die knapp 20 an der Fahrt teilnehmenden Jugendratsmitglieder am Berliner Hauptbahnhof an. Es folgten ein kurzer Fu\u00dfweg zum Hostel und ein lang ersehntes Abendessen, ehe die Berlinfahrt mit einem Sightseeing durch den Regierungsbezirk eingeleitet wurde. Am Kanzleramt vorbei, dann zum Bundestag und schlie\u00dflich bis zum Brandenburger Tor konnte die Gruppe den Ausf\u00fchrungen eines ehemaligen Jugendratsmitglieds und nun Mitarbeiters des Kanzleramts lauschen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" ><strong>Eine Reise in die j\u00fcngste Vergangenheit<\/strong><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" >Am Folgetag stand ein Besuch in der Gedenkst\u00e4tte Hohensch\u00f6nhausen an. In deren R\u00e4umlichkeiten befand sich zun\u00e4chst von 1946\u20131950 die Zentrale Untersuchungshaftanstalt der sowjetischen Geheimpolizei und danach bis zur deutschen Wiedervereinigung das Zentrale Untersuchungsgef\u00e4ngnis der Staatssicherheit (Stasi) der DDR. Tausende vor allem politische Gefangene wurden in dem Gef\u00e4ngnis anfangs physisch und immer st\u00e4rker vor allem psychisch gefoltert. Es ist erschreckend mit welchen grausamen Methoden der DDR-Unrechtsstaat zum Teil jahrelang Menschen ohne Gerichtsprozess gefangen hielt und ihre Psyche zerst\u00f6rte.<\/p>\n<p>Beispielsweise wurden w\u00e4hrend der Vernehmung unter Anwesenheit des H\u00e4ftlings fingierte Telefonate mit falschem Inhalt gef\u00fchrt. So hat man unter anderem so getan, als ob einem Angeh\u00f6rigen ein schlimmes Schicksal zugesto\u00dfen sei. In der Nacht war zum Schlafen die R\u00fcckenlage vorgeschrieben, die alle 15 Minuten \u00fcberpr\u00fcft wurde, um den Tiefschlaf der H\u00e4ftlinge zu verhindern und sie somit psychisch anf\u00e4lliger zu machen. Durch Isolationshaft, Ungewissheit und Desorientierung sind viele ehemalige Gefangene bis heute mit bleibenden Sch\u00e4den belastet.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" ><strong>Kultur, Geschichte und Gemeinschaft boten spannende Abwechslung\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Bei strahlender Sonne fand danach eine Spree-Rundfahrt durch das Zentrum Berlins statt, die durch Audioerkl\u00e4rungen die facettenreiche Geschichte der Stadt und einiger ihrer imposanten Bauwerke erlebbar machte. Am Abend besuchte die Gruppe den Bundestag. Diese Gelegenheit wurde f\u00fcr eine Kuppelbesteigung und f\u00fcr zahlreiche gemeinsame Fotos genutzt.<\/p>\n<p>Das Kennenlernen Berlins wurde auch am n\u00e4chsten Tag fortgesetzt. Im Rahmen einer Schnitzeljagd wurden historische Geschehnisse und architektonische Begebenheiten greifbar und am Ende gab es f\u00fcr die Gruppen einige Kleinigkeiten als Belohnung f\u00fcr die erfolgreiche Teilnahme. Gemeinsame Arbeit im Team und Zusammenhalt sind neben den zahlreichen interessanten Anekdoten eine wichtige Essenz, die aus diesem Programmpunkt mitgenommen werden konnte.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" ><strong>Konsumg\u00fcter als sichtbare Kennzeichen des Systems<\/strong><\/p>\n<p>Am Nachmittag besuchte der Jugendrat das Deutsche Historische Museum, in dem eine F\u00fchrung durch die Exponate der neueren deutschen Geschichte ab dem zweiten Weltkrieg erfolgte. Dabei wurde besonders der gro\u00dfe Kontrast zwischen den ehemals zwei deutschen Staaten, der Bundesrepublik Deutschland (BRD) und der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) deutlich, der sich durch alle Lebensbereiche, wie die Arbeit, die Freizeit, den Haushalt und die Politik zog. Besonders sichtbar wurde dies an der Verf\u00fcgbarkeit von Konsumg\u00fctern. W\u00e4hrend in der Bundesrepublik kurz nach dem zweiten Weltkrieg die breite Verf\u00fcgbarkeit neuartiger Waren besonders durch das &#8220;Wirtschaftswunder&#8221; aufkam, dauerte es in der DDR noch Jahre, bis vergleichbare G\u00fcter auf dem Markt waren und selbst dann war ihre Verf\u00fcgbarkeit meist sehr beschr\u00e4nkt. Das finale Ereignis der Ausstellung war die Wiedervereinigung, die in weiten Teilen der Bev\u00f6lkerung beinahe f\u00fcr unm\u00f6glich gehalten wurde, das geteilte Deutschland wieder zu einem Staat machte und auch die politische Verfolgung Andersdenkender in der DDR beendete.<\/p>\n<p>Eine weitere Auseinandersetzung mit dem Demokratieverst\u00e4ndnis erfolgte schlie\u00dflich durch einen Workshop. Dabei wurden grundlegende Prinzipien des demokratischen Systems, wie das Mehrheitsprinzip, die Meinungsfreiheit und freie Wahlen als wesentliche demokratische Elemente festgemacht und Prinzipien wie der Laizismus (Trennung von Staat und Kirche) und die wehrhafte Demokratie in der Gruppe diskutiert.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" ><strong>Zwischen Hinrichtungen und Italien-Urlauben<\/strong><\/p>\n<p>Am vorletzten Tag fand ein Besuch des ehemaligen NS-Konzentrationslagers Sachsenhausen statt. Dort waren zwischen 1936 und 1945 mehr als 200.000 Menschen aus ca. 40 Nationen inhaftiert. H\u00e4ftlinge waren zun\u00e4chst politische Gegner des NS-Regimes, dann in immer gr\u00f6\u00dferer Zahl Angeh\u00f6rige der von den Nationalsozialisten als rassisch oder sozial minderwertig erkl\u00e4rten Gruppen (Juden, Homosexuelle, &#8220;Zigeuner&#8221; etc.) und ab 1939 zunehmend B\u00fcrger der besetzten Staaten Europas. Zehntausende kamen durch Hunger, Krankheiten, Zwangsarbeit und Misshandlungen um. Andere wurden Opfer systematischer Vernichtungsaktionen. So wurden hier im Herbst 1941 mindestens 12.000 sowjetische Kriegsgefangene ermordet. Die beteiligten SS-M\u00e4nner erhielten anschlie\u00dfend einen mehrw\u00f6chigen Italien-Urlaub.<\/p>\n<p>In einer dreieckigen Lagerarchitektur waren alle H\u00e4ftlingsbaracken auf den &#8220;Turm A&#8221;, den Sitz der SS-Lagerleitung gerichtet, von dem aus das ganze Lager \u00fcberblickt werden konnte und welcher die H\u00e4ftlinge auch symbolisch der absoluten Macht der SS unterwerfen sollte. Tausende H\u00e4ftlinge wurden in umliegenden, speziell angelegten Betrieben unter erschreckenden Umst\u00e4nden als Arbeitskr\u00e4fte eingesetzt, in denen es aufgrund von Ersch\u00f6pfung und Misshandlungen fast t\u00e4glich zu Todesf\u00e4llen (&#8220;Vernichtung durch Arbeit&#8221;) kam.<\/p>\n<p>Der organisierte Mord fand in einem Krematorium mit Genickschussanlage und sp\u00e4ter auch durch eine Gaskammer, die die T\u00f6tungsprozedur &#8220;humaner&#8221; machen sollte, statt. Letzterer Nutzen bezog sich allerdings prim\u00e4r auf das Wachpersonal, denn ob der mitunter aufgrund von Erprobungen neuer Vergasungstechniken recht langwierige Tod den Betroffenen weniger Leid zuf\u00fcgte, als ein Genickschuss, darf bezweifelt werden. Das Krematorium und weitere Geb\u00e4ude wurden aus bisher ungekl\u00e4rten Gr\u00fcnden w\u00e4hrend der Zeit der sowjetischen Besatzung zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Gruppe war der Besuch der Gedenkst\u00e4tte eine pr\u00e4gnante Erfahrung. Das unglaublich Leid, den schrecklichen Mord und das grausame Unrecht, welche das NS-Regime ver\u00fcbt hat, konnte keiner begreifen. Wir d\u00fcrfen dieses Verm\u00e4chtnis nicht vergessen und m\u00fcssen auch in Zukunft aus ihm lernen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" ><strong>Kennenlernen um im Jugendrat Politik zu machen<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich stand nicht nur die Auseinandersetzung mit der neueren deutschen Geschichte im Vordergrund der Fahrt. So war im Rahmen von Freizeitaktivit\u00e4ten, einem Gruppenworkshop zu pers\u00f6nlichen St\u00e4rken und einem gemeinsamen, entspannten Essen am letzten Abend das Kennenlernen ein wesentliches Ziel der Fahrt. Die Interessen und Eigenschaften der anderen erfahren, mit ihnen in den Austausch kommen, Gemeinsames unternehmen \u2013 all diese Erfahrungen werden der Gruppe helfen, in Zukunft besser aufeinander einzugehen, Gemeinsamkeiten zu erkennen und Differenzen zu akzeptieren, was f\u00fcr die gemeinsame Arbeit im Jugendrat sicherlich f\u00f6rderlich sein wird.<\/p>\n<p>Am f\u00fcnften Tag war der Zeitpunkt f\u00fcr die Heimreise gekommen. Man fuhr mit den gleichen Personen, die gleiche Strecke, wieder im ICE und doch war es anders. Jeder erhielt ein kleines Heftchen, in das alle anderen Mitglieder etwas Pers\u00f6nliches zur Berlinfahrt notierten. Freude \u00fcber das genauere Kennenlernen, Gl\u00fcck \u00fcber die gemeinsamen Erinnerungen und vieles mehr fand den Weg in diese Heftchen, die anschlie\u00dfend jeder zur\u00fcckerhielt. Diese positiven Notizen haben nicht nur die Reisezeit subjektiv verk\u00fcrzt, sondern sind insbesondere ein Ausdruck dessen, wie sehr die Bildungsfahrt nach Berlin die Gruppe gepr\u00e4gt hat. Anders als auf der Hinfahrt sa\u00df im Zug keine Ansammlung von Jugendlichen mehr, sondern eine Gruppe, die meinen k\u00f6nnte, sie kenne sich schon seit geraumer Zeit. Eine Gruppe, die sich nun noch viel st\u00e4rker gemeinsam f\u00fcr die D\u00fcsseldorfer Kinder und Jugendlichen engagieren will.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom 8. bis zum 12. April war der neue D\u00fcsseldorfer Jugendrat im Rahmen einer Bildungsfahrt in der Bundeshauptstadt Berlin. 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