{"id":24297,"date":"2015-09-03T09:34:53","date_gmt":"2015-09-03T07:34:53","guid":{"rendered":"https:\/\/juriserver.de\/youpod.stagin\/?post_type=younews&#038;p=24297"},"modified":"2025-07-10T13:45:42","modified_gmt":"2025-07-10T11:45:42","slug":"darf-ich-mit-meinem-rollstuhl-in-ihren-drive-in-ein-selbsttest","status":"publish","type":"younews","link":"https:\/\/juriserver.de\/youpod.stagin\/news\/darf-ich-mit-meinem-rollstuhl-in-ihren-drive-in-ein-selbsttest\/","title":{"rendered":"Darf ich mit meinem Rollstuhl in Ihren Drive-in? Ein Selbsttest"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin nur wenige Stunden an meinen Rollstuhl gebunden. Aber im Nachhinein h\u00e4tte es nicht l\u00e4nger sein d\u00fcrfen. Ich mache einen Selbsttest: Perspektivwechsel\u2013 ein Tag im Rollstuhl durch D\u00fcsseldorf. Ich habe neben aufdringlichen und mitleidigen Blicken mit einer nur angeblich behindertengerechten Stadt zu tun.<div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\nMit &quot;D\u00fcsseldorf geht auch im Sitzen&quot; bewirbt die Stadt ihr angebliches Bem\u00fchen, ihren Mitb\u00fcrgern mit Behinderung einen vereinfachten Alltag zu gestalten. In der Theorie klingt es gut, in der Praxis hingegen mangelt es an Umsetzung. Statt dem angepriesenen barrierefreien Nahverkehr, erlebe ich in meinem Perspektivwechsel, wie unm\u00f6glich es ist, die U-Bahnstufen zu erklimmen. Ich brauche Hilfe, um die Steigung des Gehwegs zu \u00fcberwinden, die mich eigentlich zu den Aufz\u00fcgen zu den Bahngleisen am Hauptbahnhof bringen soll.<div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\n<b>Abenteuer U-Bahn mit Rollstuhl<\/b><div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\nZusammen mit meinen Begleitern erheitert es uns zu sehen, wie ich mit den absurdesten Situationen zu k\u00e4mpfen habe. Als alteingesessener D\u00fcsseldorfer ist es ungewohnt, die Stadt von unten wahrzunehmen. Anstatt nur genervt zu sein, weil wieder einmal alle meinen, in die gleiche T\u00fcr der U-Bahn steigen zu m\u00fcssen, legen wir Sprints \u00fcber den Bahnsteig hinweg ein, um die T\u00fcr mit der Aufschrift &quot;Rollstuhl&quot; zu erreichen. Au\u00dfer Puste gelingt es uns schlie\u00dflich, mich doch den scheinbar behindertengerechten Einstieg hinaufzuhieven.<div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\nBeachtet man die Trittstufe nicht, kann man durchaus von einem behindertengerechten Aufgang sprechen.<div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\nAndere H\u00fcrden, die es zu \u00fcberwinden galt, waren: zu enge Aufz\u00fcge, aus denen man mehrfach ein- und aussteigen, hinauf- und herunterfahren muss, um schlie\u00dflich neben faulem Fu\u00dfg\u00e4nger, Kinderwagen und Co. Das Gleis zu erreichen. Auch Banalit\u00e4ten fallen uns auf. So finden wir, parallel zum Aufzug einen Aufgang, der sich als gef\u00e4hrlich entpuppt. Sp\u00e4testens nach meiner Fahrt hinunter wird mir klar, warum er f\u00fcr Menschen gemacht ist, deren Hals m\u00f6glicherweise bereits gebrochen ist.<div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\n<b>Viele Blicke, wenig Hilfe<\/b><div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\nDie Peinlichkeit ist schlimmer als die Unbeweglichkeit. Bem\u00fcht man sich als Fu\u00dfg\u00e4nger noch, keinen Behinderten offensichtlich anzusehen, ihm einen netten, aber nicht mitleidigen Blick zuzuwerfen, erliege ich als Betroffener jedem Blick. Meine Begleiter erz\u00e4hlen mir sp\u00e4ter, sie seien \u00fcberrascht, wie wenig ich beguckt wurde.<div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\nSchaulustige finden sich \u00fcberall. Als ich beim eigenst\u00e4ndig versuchten Ausstieg aus der Bahn falle, entgeht es keinem, jedoch finden sich keine Helfer. Schnell genug bin ich wieder lauthals lachend auf den Rollen \u2013 mitf\u00fchlende und -leidende Blicke entgehen mir nicht.<div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\nWir stellen uns Situationen vor, in denen wir durch den heimischen Drive-in bei McDonalds fahren m\u00fcssen, da wir den Bordstein vor der T\u00fcr nicht umgehen k\u00f6nnen.<div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\nEin anderer Rollstuhlfahrer zeigt sich hilfsbereit. Er gew\u00e4hrt mir h\u00f6flich den Ausstieg. Sp\u00e4ter zeigt er mir, wie ich die Rolltreppen in dem Rollstuhl benutzen kann. Zwar \u00fcberwinde ich den letzten Aufgang nicht so spielend wie er und lasse eine kleine Menschenmasse hinter mir auflaufen, aber schlie\u00dflich wird mir durch ihn klar: Es geht auch anders.<div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\n<b>Was ich gelernt habe<\/b><div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\nGehbehindert? Ja. Aber die Einschr\u00e4nkung besteht nicht darin, nicht gehen zu k\u00f6nnen, sondern darin in seiner Umgebung wenig klarzukommen.<div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\nMan braucht Unterst\u00fctzung, aber die Wenigsten helfen. Und nicht nur die Hilfe fehlt, auch die \u00dcberwindung der Scham, sie anzunehmen. Sucht man Hilfe bietet sie gerade keiner an, will oder braucht man sie gerade nicht, f\u00fchlt man sich davon gest\u00f6rt.<div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\n<b>Autor: Jan<div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin nur wenige Stunden an meinen Rollstuhl gebunden. Aber im Nachhinein h\u00e4tte es nicht l\u00e4nger sein d\u00fcrfen. 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