{"id":24989,"date":"2012-03-28T13:54:58","date_gmt":"2012-03-28T11:54:58","guid":{"rendered":"https:\/\/juriserver.de\/youpod.stagin\/?post_type=younews&#038;p=24989"},"modified":"2025-07-11T09:38:01","modified_gmt":"2025-07-11T07:38:01","slug":"wenn-schule-stress-und-schmerz-bedeutet","status":"publish","type":"younews","link":"https:\/\/juriserver.de\/youpod.stagin\/news\/wenn-schule-stress-und-schmerz-bedeutet\/","title":{"rendered":"Wenn Schule Stress und Schmerz bedeutet"},"content":{"rendered":"<p>Ganztag, Lernstress, doppelter Abiturjahrgang, Mobbing und Druck. Viele Sch\u00fcler haben Schulstress. Einige leiden regelrecht darunter, haben Bauschmerzen und Zusammenbr\u00fcche. Dann sind Schulpsychologen gefragt.<\/p>\n<p>Wenn Joschi zur Schule geht, hat er Bauchschmerzen. Jeden Morgen. Der 14-J\u00e4hrige wei\u00df, was ihn erwartet: Beleidigungen, Pr\u00fcgel, F\u00e4cher, in denen er nicht mitkommt.\u00a0 Wenn Louisa auf dem Weg zur Schule ist, hat sie in der Nacht zuvor gerade mal zwei bis drei Stunden geschlafen. Mehr schafft sie nicht. Mit dem Lernen und Hausaufgabenmachen f\u00e4ngt die 18-J\u00e4hrige erst um 23 Uhr an. Nachmittags warten noch ihr Job und ihre ehrenamtliche Arbeit auf sie. Joschi und Louisa sind nur zwei D\u00fcsseldorfer Jugendliche. Sie stehen aber f\u00fcr ein Problem, das viele Sch\u00fcler in der Stadt kennen: Schulstress.<\/p>\n<p><strong>Schulstress kann vieles sein<\/strong><\/p>\n<p>Was das bedeutet, wei\u00df die Schulpsychologin Cornelia K\u00f6sters. Sie arbeitet bei der Schulpsychologischen Beratungsstelle der Stadt. &#8220;Leistungsschwierigkeiten k\u00f6nnen Schulstress ausl\u00f6sen, der Druck, mit Gleichaltrigen auszukommen, Probleme in der Familie, viele Termine in der Freizeit&#8221;, listet K\u00f6sters auf. Bei vielen Sch\u00fclern, die in die Beratungsstelle kommen, gehen die Probleme ineinander \u00fcber. So auch bei Joschi. Er geht zur Hauptschule. Von Mitsch\u00fclern wird er gemobbt.<\/p>\n<p>Gleichzeitig hat er im Unterricht in Deutsch und Sport Probleme. Obwohl er in den anderen F\u00e4chern gut mitkommt, seine Hausaufgaben sogar in den letzten zehn Minuten einer Schulstunde erledigt, ist sein Notendurchschnitt auf 3,0 abgerutscht. Je mehr sich der Achtkl\u00e4ssler der zehnten Stufe n\u00e4her, desto gr\u00f6\u00dfer wird die Angst. &#8220;Ich will unbedingt in die 10 b kommen&#8221;, sagt Joschi. &#8220;Das hie\u00dfe, ich mache meinen Realschulabschluss.&#8221; Um den Stress abzubauen, setzt sich der Sch\u00fcler zuhause direkt an den Computer oder trifft sich mit Freunden und l\u00e4sst an ihnen manchmal seine schlechte Laune aus. &#8220;Bald werde ich die Schule wechseln&#8221;, sagt er hoffnungsvoll. &#8220;Noch vor der zehnten Klasse.&#8221;<\/p>\n<p><strong>Keine Ruhe zum Lernen<\/strong><\/p>\n<p>Auch Louisa setzt sich unter Druck. Sie ist in der 13. Klasse eines Gymnasiums und bereitet sich aufs Abitur vor. &#8220;Ich muss mindestens einen NC von 2,6 haben&#8221;, sagt sie. &#8220;Ich will Soziale Arbeit studieren.&#8221; Lernprobleme hat sie nicht, aber die Struktur der Schule hindere sie an guten Noten. &#8220;Klausuren kommen immer geb\u00fcndelt und auf einmal&#8221;, erz\u00e4hlt sie. &#8220;Ich habe schon mal drei Referate halten und eine Woche sp\u00e4ter zwei Arbeiten und einen Physiktest schreiben m\u00fcssen.&#8221; Sie lerne nur, um nach der Pr\u00fcfung alles wieder zu vergessen. Sich in Ruhe auf das Abitur vorzubereiten, gehe selbst in der 13 nicht.<\/p>\n<p>In Louisas Englisch-Leistungskurs gab es in diesem Jahr vier Lehrerwechsel, in Physik und Philosophie jeweils einen. Schulpsychologin K\u00f6sters wei\u00df, dass sich die Herausforderungen der Sch\u00fcler in den vergangenen Jahren gewandelt haben. Vor allem gute Abschl\u00fcsse seien ein viel gr\u00f6\u00dferes Thema geworden. &#8220;Die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt ist gro\u00df&#8221;, erkl\u00e4rt K\u00f6sters. &#8220;Sch\u00fcler haben das Gef\u00fchl, viel mehr leisten zu m\u00fcssen.&#8221; Au\u00dferdem leide die Freizeit der Jugendlichen unter Nachmittagsunterricht und der verk\u00fcrzten Schulzeit.<\/p>\n<p>Anscheinend k\u00f6nnen immer mehr Sch\u00fcler nur schwer mit den gestiegenen Anforderungen umgehen. Nachdem es im Jahr 2009 bei der Schulpsychologischen Beratungsstelle 1033 Neuanmeldungen gab, sprang die Zahl ein Jahr sp\u00e4ter auf 1225. Zwar sank die Zahl der neu beratenen Sch\u00fcler 2011 auf 1139, insgesamt suchten in dem Jahr aber 1323 Sch\u00fcler Hilfe \u2013 in 40 Prozent der F\u00e4lle im Lern- und Leistungsbereich.<\/p>\n<p><strong>Zahlreiche Erkrankungen<\/strong><\/p>\n<p>Marie Dams bekommt die Auswirkungen direkt mit. Die 17-J\u00e4hrige war drei Jahre lang Mitglied in der Bezirkssch\u00fclerInnenvertretung D\u00fcsseldorf (BSV), setzte sich f\u00fcr die Interessen der Sch\u00fcler ein und vernetzte die Sch\u00fclervertretungen (SV) der einzelnen Schulen \u2013 bis sie dieses Jahr wegen des Schulstresses ihre ehrenamtliche Arbeit f\u00fcr die BSV aufgeben musste. An ihrem Gymnasium hat die Zw\u00f6lftkl\u00e4sslerin die Probleme beobachtet. &#8220;Allein in meiner Stufe und in der unter mir gab es in den vergangenen beiden Jahren F\u00e4lle von Essst\u00f6rungen, Depressionen, Migr\u00e4ne, Herzrasen, Schwindel, Bauchschmerzen, \u00dcbelkeit&#8221;, z\u00e4hlt Marie auf. &#8220;Mehrere Sch\u00fcler sind bei Klausuren zusammengebrochen, einige haben die Schule abgebrochen.&#8221;<\/p>\n<p>Die Sch\u00fclerin f\u00fchrt die vielen Erkrankungen auf den doppelten Abiturjahrgang und die zentralen Pr\u00fcfungen zur\u00fcck. Die BSV sah dieses Problem bereits vor drei Jahren kommen, allerdings nicht, wie gro\u00df es ist. &#8220;Wir sind total \u00fcberrascht und schockiert, dass es so schnell so starke Auswirkungen gibt&#8221;, sagt Marie. Innerhalb der vergangen zwei Jahre habe sich so viel ver\u00e4ndert, dass selbst ein BSV-Mitglied, das 2010 Abitur gemacht hat, die aktuellen Probleme nicht mehr nachvollziehen k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Marie hat mitbekommen, dass die Anmeldezahlen bei der Schulpsychologischen Beratungsstelle genau vor zwei Jahren leicht gestiegen sind. Sie glaubt aber, dass die Dunkelziffer noch viel h\u00f6her liegt. &#8220;Den Sch\u00fclern ist es peinlich, \u00fcber den Stress zu reden&#8221;, erkl\u00e4rt sie. &#8220;Sie m\u00fcssen aber reden, um Hilfe zu bekommen.&#8221; Marie appelliert: &#8220;Und sie m\u00fcssen zum Arzt gehen, damit auch Statistiken die Probleme festhalten k\u00f6nnen.&#8221;<\/p>\n<p><strong>Schulpsychologen suchen Auswege<\/strong><\/p>\n<p>Es dauert oft lange, bis ein Sch\u00fcler mit Problemen den Weg in die Beratungsstelle findet. Das ist auch Schulpsychologin K\u00f6sters aufgefallen. &#8220;Dann haben sich schon viele Dinge verkettet, die ersten F\u00fcnfen stehen auf dem Zeugnis und Hilfe wird schwieriger&#8221;, sagt sie. Wer nicht mehr gerne zur Schule geht, sich immer schlechter konzentrieren kann, \u00fcberfordert ist oder sogar Bauschmerzen hat, solle sich besser direkt melden. Im Gespr\u00e4ch nur mit dem Jugendlichen oder mit den Eltern zusammen analysiert K\u00f6sters den Stress, erarbeitet beispielsweise einen Lern- und Freizeitplan und h\u00e4lt so lange und so h\u00e4ufig R\u00fccksprache, wie es sinnvoll ist.<\/p>\n<p>&#8220;Wegtrainieren k\u00f6nnen wir den Stress nat\u00fcrlich nicht&#8221;, sagt K\u00f6sters. &#8220;Leistungsdruck geh\u00f6rt zu unserer Gesellschaft. Wir helfen Jugendlichen, damit umzugehen.&#8221; Die Psychologin gibt den Sch\u00fclern Hoffnung: In den Strukturen, die sie mit ihnen erarbeitet, bleibt gen\u00fcgend Zeit f\u00fcr Hobbys. Und wenn der straffe, geradlinige Weg durch die Schule zum Abschluss und in den Job mal nicht klappt, zeigt sie Alternativen. &#8220;Auch \u00fcber Umwege kann man ans Ziel kommen&#8221;, versichert sie.<\/p>\n<\/p>\n<p><i>Die Schulpsychologische Beratungsstelle gibt\u00a0<a href=\"https:\/\/youpod.de\/de\/beitraege\/2012\/03\/tipps-bei-schulstress\">f\u00fcnf Tipps bei Schulstress.<\/a><\/i><\/p>\n<p><i>Die Hilfe bei der Schulpsychologischen Beratungsstelle ist kostenfrei und kann anonym sein. Eine erste Beratung ist auch \u00fcber ein\u00a0<a href=\"https:\/\/www.duesseldorf.de\/schulpsychologie\/schulpsychologische-beratung.html\">Formular auf der Internetseite\u00a0<\/a>m\u00f6glich.<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ganztag, Lernstress, doppelter Abiturjahrgang, Mobbing und Druck. Viele Sch\u00fcler haben Schulstress. Einige leiden regelrecht darunter, haben Bauschmerzen und Zusammenbr\u00fcche. Dann sind Schulpsychologen gefragt. 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