{"id":25067,"date":"2015-12-13T13:31:28","date_gmt":"2015-12-13T12:31:28","guid":{"rendered":"https:\/\/juriserver.de\/youpod.stagin\/?post_type=younews&#038;p=25067"},"modified":"2025-07-10T13:45:31","modified_gmt":"2025-07-10T11:45:31","slug":"diesen-schuelern-muss-schokolade-auch-emotional-schmecken","status":"publish","type":"younews","link":"https:\/\/juriserver.de\/youpod.stagin\/news\/diesen-schuelern-muss-schokolade-auch-emotional-schmecken\/","title":{"rendered":"Diesen Sch\u00fclern muss Schokolade auch emotional schmecken"},"content":{"rendered":"<h1>Diesen Sch\u00fclern muss Schokolade auch emotional schmecken<\/h1>\n<p>Angst kennen die Sch\u00fcler der Montessori-Haupt- und Gesamtschule nicht mehr. Sie sprechen im Bundestag \u00fcber faire Schokolade und Kinderarbeit. Sie machen Umfragen in Superm\u00e4rkten, sammeln Unterschriften, leiten gro\u00dfe Diskussionen, schreiben an die gro\u00dfen Schokoladen-Unternehmen und mischen sich ein. Die Zehn- bis 16-J\u00e4hrigen haben die Schokofair-AG gegr\u00fcndet und setzen sich f\u00fcr Kinder auf der ganzen Welt ein. <\/p>\n<p>&quot;Schokolade mit Kinderarbeit schmeckt uns emotional nicht&quot;, sagt Kasimir (11) und erkl\u00e4rt damit, warum sich 20 Montessori-Sch\u00fcler so stark einsetzen. 2010 haben sie die Schokofair-AG an ihrer Schule gegr\u00fcndet. Mittlerweile kennen sie kein Lampenfieber mehr und haben kein Problem, vor fremden Menschen zu sprechen. <\/p>\n<p><b>Mund aufmachen und nerven<\/b><\/p>\n<p>Immer wieder den Mund aufmachen, nerven, nachfragen, dranbleiben und das tun, wovon andere nur sprechen \u2013 das sehen die Jungen und M\u00e4dchen als ihre Aufgabe an. &quot;Wenn ich auf Kakao-Plantagen arbeiten m\u00fcsste, w\u00fcrde ich mir w\u00fcnschen, dass sich irgendwo auf der Welt jemand f\u00fcr mich einsetzt&quot;, sagt Merve (16). So einfach kann der Grund sein, seit f\u00fcnf Jahren durch ganz Deutschland zu fahren und sich f\u00fcr faire Schokolade einzusetzen. Sie will auch weitermachen, wenn sie die Schule im Sommer beendet. <\/p>\n<p>Was fair bedeutet, zeigen sie Sch\u00fcler nicht nur jedem, der es wissen m\u00f6chte, sondern auch allen, die sich bislang keine Gedanken dar\u00fcber machten, wo ihre Schokoladentafel her kommt. Einen Kakaobohnen-Sack haben sie meistens dabei. Dann springt Jaques (10) schnell hinein. (Foto rechts neben dem Text) Er wiegt 30 Kilo. Solch einen schweren Sack m\u00fcssen Kinder auf einer Plantage schleppen, erkl\u00e4ren die Sch\u00fcler dann und lassen ihn hochheben. Die Kinder gehen nicht zur Schule, verdienen wenig oder gar kein Geld, werden krank, k\u00f6nnen sich nicht behandeln lassen, wissen nicht, ob sie bei der n\u00e4chsten Ernte noch gebraucht werden und etwas verdienen. <\/p>\n<p><b>Sch\u00fcler kennen sich aus<\/b><\/p>\n<p>&quot;Allein in Ghana und Elfenbeink\u00fcste arbeiten 1,8 Millionen Kinder, \u00fcber 600.000 von ihnen unter schlimmsten Bedingungen&quot;, erkl\u00e4ren die Sch\u00fcler. Die beiden L\u00e4nder seien die Haupt-Lieferanten f\u00fcr den weltweiten Kakao-Bedarf. Die Kakao-Bauern k\u00f6nnten sich wegen der niedrigen Kakaopreise h\u00e4ufig keine erwachsenen Erntehelfer leisten.<\/p>\n<p>Das wissen die Sch\u00fcler. Und sie k\u00f6nnen genauso schnell runterrasseln, dass nur 6,5 Cent Kakao in einer Tafel Schokolade stecken, welche Siegel f\u00fcr Schokolade ohne Kinderarbeit stehen und wie sie sich unterscheiden. <\/p>\n<p><b>Viele Preise und Auszeichnungen f\u00fcr die Jugendlichen<\/b><\/p>\n<p>F\u00fcr ihr Engagement wurden die Sch\u00fcler aus Flingern schon oft ausgezeichnet: mit dem AWO-Kinderschutzpreis (2011), dem D\u00fcsseldorfer Schulpreis der Westdeutschen Zeitung (2012), dem WDR-Kinderrechtepreis (2012), dem &quot;Global Citizenship Award&quot; (2013), dem Fairtrade-Award (2014) und dem Nachhaltigkeitspreis beim WDR-Kinderrechtepreis (2014). Sie wurden 2013 Unicef-Junior-Botschafter Deutschlands und Kika-Zukunftsmacher.<\/p>\n<p><b>Sch\u00fcler fordern Schoko-T\u00dcV und zwei Cent mehr<\/b><\/p>\n<p>Im vergangenen Jahr waren sie im Bundestag zu Gast und forderten den Schoko-T\u00dcV, ein Gesetz, das faire Produktionsbedingungen garantiert. Und sie forderten zwei Cent mehr pro Schokoladen-Produkt. &quot;Wir machen st\u00e4ndig Umfragen&quot;, sagt Nico (16). &quot;90 Prozent der Verbraucher w\u00fcrden das bezahlen.&quot; Die zwei Cent seien eine Direkt-Hilfe, um Kinderarbeit in den betroffenen L\u00e4ndern mit sofortiger Wirkung zu mildern. So k\u00f6nnten erwachsene Erntehelfer eingestellt und stabile Fahrr\u00e4der f\u00fcr den Weg zur Schule angeschafft werden. <\/p>\n<p><b>Promis machen Werbung f\u00fcr faire Schokolade<\/b><\/p>\n<p>Bei allen Veranstaltungen, bei denen die Schokofair-Sch\u00fcler sind, haben sie ihr Logo und eine Kamera  dabei. Sie kl\u00e4ren auch Promis auf, zerren Angela Merkel, Dirk Nowitzki, Helmut Schmidt, Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki und viele andere vor die Kamera, die die Arbeit der AG gut finden.<\/p>\n<p>Das sind die bekannten Gesichter, die etwas gegen Kinderarbeit haben. Aber jeder kann etwas tun, findet Amir (11). &quot;Ich sage meiner Mutter immer, sie soll im Supermarkt nur faire Schokolade kaufen&quot;, erkl\u00e4rt er. Und Kasimir erg\u00e4nzt: &quot;In unserer Schule bieten wir einen Stand an, an dem wir nur faire Schokolade verkaufen. Dann haben zumindest die Montessori-Sch\u00fcler keine Ausrede mehr.&quot;<\/p>\n<p><b>Protest gegen Kinderschokolade<\/b><\/p>\n<p>Ihr Einsatz gegen Kinderarbeit ist bei Freunden, Familie, in D\u00fcsseldorf und ganz Deutschland bekannt. Und sie konnten noch mehr Erfolge feiern. Als Sarah Connor 2012 in einem D\u00fcsseldorfer Supermarkt das neue Gesicht f\u00fcr die Kinderschokolade suchen wollte, lie\u00dfen die Sch\u00fcler durch ihre Proteste das Casting platzen. Grund: Hersteller Ferrero stehe im Verdacht, dass Kinderarbeit in den Produkten steckt. <\/p>\n<p>Als die AG mit dem Fairtrade-Award ausgezeichnet wurde, kam Ferrero-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Stephan Nie\u00dfner auf sie zu, gratulierte und sagte, Ferrero w\u00fcrde nun 20.000 Tonnen fairen Kakao kaufen. Die Sch\u00fcler f\u00fchlen sich daran nicht ganz unschuldig. Ferrero erkl\u00e4rte dem Jugendpportal youpod, dass das Unternehmen bis 2020 sogar weltweit alle seine Schokoladenprodukte aus Kakaobohnen herstellen werde, die als nachhaltig zertifiziert sind. <\/p>\n<p><b>Sch\u00fcler m\u00f6chten nach Afrika fliegen<\/b><\/p>\n<p>Ihr Einsatz soll noch weiter gehen. Sie m\u00f6chten noch mal in den Bundestag eingeladen werden und f\u00fcr ihren Schoko-T\u00dcV werben. Und sie schrieben einen Brief an die Schokoladen-Firmen Lindt &amp; Spr\u00fcngli, Nestl\u00e9, Mondelez (Milka) und Ferrero. Alle Unternehmen versichern, dass sie mit oder ohne Schoko-Siegel etwas f\u00fcr Nachhaltigkeit und gegen Kinderarbeit tun. Die Sch\u00fcler m\u00f6chten sich davon ein eigenes Bild machen, auf die Kakaoplantagen nach Westafrika fahren und f\u00fcr einen Dokumentarfilm mit Kakaobauern und Kindern sprechen. <\/p>\n<p>Lindt &amp; Spr\u00fcngli schrieb den Sch\u00fclern, dass auch das Unternehmen Kinderarbeit aufs Sch\u00e4rfste verurteilt. Es gratuliert den jungen D\u00fcsseldorfern zu ihrer Arbeit und weist sie darauf hin, dass es seine Schokolade zwar nicht mit den bekannten Sigeln zertifizieren l\u00e4sst, aber ein eigenes Programm hat, das Kakaobauern direkt unterst\u00fctzen soll. Gutachter, die nicht zu Lindt geh\u00f6ren, pr\u00fcften vor Ort, ob es Probleme mit Kinderarbeit, Menschenhandel oder Zwangsarbeit gibt. Allerdings sei es nicht so einfach, dass auch die Sch\u00fcler das tun. Die Lindt-Partner vor Ort h\u00e4tten n\u00e4mlich wenig Zeit, die Sch\u00fcler in Afrika zu betreuen. Lindt wolle sich aber melden, wenn sich doch eine M\u00f6glichkeit ergibt.<\/p>\n<p>Nestl\u00e9 ist skeptischer. Das Unternehmen teilt dem Jugendportal mit, der Kakao f\u00fcr die deutsche Schokolade sei mit dem UTZ-Sigel zertifiziert. Auf der Internetseite des Unternehmens k\u00f6nne jeder sehen, wo Nestl\u00e9 in Elfenbeink\u00fcste Projekte hat oder Schulen finanziert. Jeder k\u00f6nne dort hinfahren und mit den Menschen sprechen. &quot;Ob es \u2013 unter gesundheitlichen und Sicherheitsaspekten \u2013 eine gute Idee ist, durch das Hinterland von Elfenbeink\u00fcste zu reisen, ist eine andere Frage&quot;, schreibt ein Sprecher von Nestl\u00e9. Das k\u00f6nnten die Sch\u00fcler aber selbst entscheiden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/8cc2bc1da869409dbe4952747f87bcf1\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n<p>\n<iframe loading=\"lazy\" width=\"460\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/b5NN0u16vms\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"460\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/7ZgbV2rpFV8\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diesen Sch\u00fclern muss Schokolade auch emotional schmecken Angst kennen die Sch\u00fcler der Montessori-Haupt- und Gesamtschule nicht mehr. 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