{"id":26331,"date":"2015-02-03T09:20:29","date_gmt":"2015-02-03T08:20:29","guid":{"rendered":"https:\/\/juriserver.de\/youpod.stagin\/?post_type=younews&#038;p=26331"},"modified":"2025-07-11T09:32:19","modified_gmt":"2025-07-11T07:32:19","slug":"bewegendes-zeitzeugengespraech-mit-einem-auschwitz-ueberlebenden","status":"publish","type":"younews","link":"https:\/\/juriserver.de\/youpod.stagin\/news\/bewegendes-zeitzeugengespraech-mit-einem-auschwitz-ueberlebenden\/","title":{"rendered":"Bewegendes Zeitzeugengespr\u00e4ch mit einem Auschwitz-\u00dcberlebenden"},"content":{"rendered":"<p>Tadeusz Smreczynski hat das Grauen \u00fcberlebt. Er war ein politischer Gefangener im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Mit uns, einer Sch\u00fclergruppe aus D\u00fcsseldorf, hat er in der Gedenkst\u00e4tte \u00fcber diese Zeit gesprochen und dar\u00fcber, warum er die Hoffnung nie aufgegeben hat.<div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\n<b>Die Ankunft<\/b><div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\nAuch 70 Jahre nach der Befreiung durch die rote Armee sind die Erinnerungen an seine Zeit in Auschwitz-Birkenau noch so pr\u00e4sent, als w\u00e4re es erst gestern passiert. Ende des Jahres 1943 wurde Tadeusz Smreczynski von der Gestapo ins Gef\u00e4ngnis von Myslowice inhaftiert, weil er wie sein Vater im Widerstand war.<div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\nIm Mai 1944  verlagerte man ihn nach Auschwitz. Mehrere Tage in  einem Zug eingepfercht, um ihn herum Kinder, Frauen, M\u00e4nner \u2013 alle ver\u00e4ngstigt und in ihren eigenen F\u00e4kalien stehend. Angekommen war er auf einem Bahnsteig. Er sollte seinen  Koffer wegstellen und zu den anderen gehen.<div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\nDort warteten sie Stunden in zwei Schlangen. Am Anfang jeder Schlange stand ein Arzt. Dieser entschied \u00fcber Leben oder Tod \u2013 rechts oder links. Smreczynski erz\u00e4hlte uns, dass er heute vermutet, dass er durch seine St\u00e4rke und seine gute gesundheitliche Verfassung \u00fcberlebt hat \u2013 und durch eine Menge Gl\u00fcck. Er wurde nach rechts geschickt. Zum Arbeiten. Zum Leben.<div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\n<b>Die Hoffnung stirbt zuletzt<\/b><div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\nEr arbeitete einige Monate unter unmenschlichen Bedingungen in verschiedenen Baukommandos. Mit viel zu langen Arbeitszeiten und zu wenig Nahrung. Trotzdem hat er die Hoffnung nie aufgegeben. &quot;Die Hoffnung stirbt zuletzt&quot;, diesen Satz wiederholte er w\u00e4hrend des Gespr\u00e4ches sehr h\u00e4ufig. Dieser Satz war zu seinem Leitsatz und Lebensmotto geworden.<div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\nTrotz all der Trauer und den grausamen Dinge, die ihm zugesto\u00dfen sind, hat er die Hoffnung nie aufgegeben. Seine Hoffnung an eine Zukunft, aber auch an sich selbst, hat viele von uns zu Tr\u00e4nen ger\u00fchrt. Dort sa\u00df ein Mann, der in seinem Leben mehr Gewalt, Trauer und Verzweiflung erfahren musste, als wir sie hoffentlich jemals erleben werden. Trotzdem ist er so stark und hoffnungsvoll. Dies hat viele Sch\u00fcler von uns \u00fcberrascht und \u00fcberw\u00e4ltigt.<div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\n<b>Gerettet?<\/b><div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\nAuch unternahm er mehrere Fluchtversuche, doch meistens sind sie gescheitert. Einmal, so erz\u00e4hlte er, hat er es geschafft. Seine Mutter hat ihm damals dabei geholfen. Sie hatte Geld versteckt und es dem Wachposten gegeben, damit er f\u00fcr ein paar Minuten nicht hinsah. Dann sagte sie zu ihrem Sohn: &quot;Lauf! Bleib nicht stehen. Sieh nicht zur\u00fcck. Geh zu deinem Onkel und er versteckt dich. Jetzt lauf!&quot;<div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\nDamals sah er seine Mutter zum letzten Mal. Er rannte so schnell er konnte. Irgendwann blieb er stehen. Lauschte. Nichts. Er rannte weiter, fand eine Stra\u00dfe und lief zur n\u00e4chsten Stadt. Dort kaufte er sich ein Ticket zu seinem Onkel. Im  Zug sagte er, dass er einen Verwandten besuche. Niemand frage weiter nach. Vor der T\u00fcr des Onkels angekommen, klopfte er leise. Sein  Onkel \u00f6ffnete, zog ihn  schnell in die Wohnung und schloss wieder die T\u00fcr.<div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\nSmreczynski dachte, er w\u00e4re gerettet. Er dachte, dass Grauen h\u00e4tte endlich ein Ende. Aber schon nach kurzer Zeit wurde er von einem angeblichen Freund verraten und wieder abgeholt. Es ging weiter.<div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\nAls er dann von der roten Armee befreit wurde, war er erstmal skeptisch. Seine Zukunft war ungewiss und er wusste nicht, was die rote Armee mit ihm macht. Doch der Krieg war vorbei und er beschloss zur\u00fcck nach Polen zu gehen und Medizin zu studieren. Er wollte, dass kein Mensch je wieder so leiden muss und so viel Unheil erfahren muss.<div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\n<b>Kleine Fragerunde<\/b><div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\nAm Ende des Gespr\u00e4chs durften wir Tadeusz Smreczynski noch Fragen stellen, die er gerne und ehrlich beantwortete. So erfuhren wir, dass er aus seinem Abschlussjahrgang der einzige \u00dcberlebende ist und dass er die Erlebnisse immer noch nicht richtig verarbeitet hat. Oft hat er Tagtr\u00e4ume davon.<div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\nAuch erz\u00e4hlte er uns, dass er den Nationalsozialisten nicht verzeihen k\u00f6nne und nicht das Bed\u00fcrfnis hat, einen von ihnen zu treffen. Als wir nach seiner Nummer fragten, die jedem Gefangenen in Auschwitz eint\u00e4towiert wurde, sagte er uns, dass er sie sich rausoperiert hat in der Hoffnung, so die Vergangenheit vergessen zu k\u00f6nnen. Dies gelang ihm allerdings nicht. Aber er hatte einen wichtigen Tipp  f\u00fcr uns: Niemand darf diskriminiert werden.<div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\n<b>Der sch\u00f6nste Moment in seinem Leben &#8211; Tr\u00e4nen bei Lehrern<\/b><div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\nGanz am Ende, viele Sch\u00fcler waren aufgel\u00f6st, hat er zu uns gesagt, dass das Gespr\u00e4ch mit uns der sch\u00f6nste Moment in seinem Leben sei. Nach diesem Satz sind sogar bei unseren Lehrern einige Tr\u00e4nchen gekullert. Unser Mitgef\u00fchl und unsere Tr\u00e4nen bedeuteten ihm so viel.<div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\nEs hat sich gut angef\u00fchlt, dass auch wir ihm etwas geben konnten, dass er wahrscheinlich nie wieder vergessen wird. Sein ganzes Leben war voller Trauer und vielleicht haben auch wir ihm geholfen, ein St\u00fcck weit mit dieser Trauer umzugehen.<div class=\"youpod_import_br\"><\/div><br \/>\nUnd so entwickelte sich aus  einem normalen Zeitzeugengespr\u00e4ch eine Zeit, die niemand je mehr vergessen wird, und wir alle werden daf\u00fcr sorgen, dass so etwas Schlimmes nie wieder passiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tadeusz Smreczynski hat das Grauen \u00fcberlebt. Er war ein politischer Gefangener im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. 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