{"id":29563,"date":"2025-03-17T22:46:27","date_gmt":"2025-03-17T21:46:27","guid":{"rendered":"https:\/\/juriserver.de\/youpod.stagin\/?post_type=younews&#038;p=29563"},"modified":"2025-07-11T09:41:26","modified_gmt":"2025-07-11T07:41:26","slug":"nach-dem-rosa-winkel-queere-geschichte-auf-der-buehne-ein-theaterworkshop-klagt-an-und-gibt-stimmen-raum","status":"publish","type":"younews","link":"https:\/\/juriserver.de\/youpod.stagin\/news\/nach-dem-rosa-winkel-queere-geschichte-auf-der-buehne-ein-theaterworkshop-klagt-an-und-gibt-stimmen-raum\/","title":{"rendered":"&#8220;Nach dem Rosa Winkel&#8221; \u2013 Queere Geschichte auf der B\u00fchne: Ein Theaterworkshop klagt an und gibt Stimmen Raum"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" ><em><strong>Seit Jahrzehnten k\u00e4mpfen queere Menschen weltweit unerm\u00fcdlich f\u00fcr ihre Rechte und Freiheiten. Staat, Justiz und Gesetzgebung legten und legen ihnen oft aktiv Steine in den Weg. In Deutschland blicken wir heute auf eine lange Geschichte der Verfolgung queerer Menschen zur\u00fcck, die nach 1945 noch l\u00e4ngst kein Ende nahm. <\/strong><\/em><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" ><em><strong>Queerfeindliche Strukturen aus dem Nationalsozialismus, die konservative Politik Konrad Adenauers und Kriminalisierung, insbesondere durch Paragraph 175, pr\u00e4gten das Leben queerer Menschen in der Nachkriegszeit.\u00a0<span>In der Abschlusspr\u00e4sentation des Intensiv-Theaterworkshops &#8220;Nach dem Rosa Winkel&#8221; klagten die Teilnehmer*innen angesichts dieser Ungerechtigkeiten unter anderem die Bundesrepublik Deutschland an. Im Interview mit youpod teilen vier von ihnen ihre Erfahrungen und Highlights aus der kurzen, aber intensiven Probenphase und den beiden szenischen Lesungen im Theatermuseum D\u00fcsseldorf.<\/span><\/strong><\/em><\/p>\n<p >\n<p class=\"MsoNormal\" ><em>Was hat euch an der thematischen Auseinandersetzung mit der Verfolgung queerer Menschen nach 1945 am meisten bewegt?<\/em><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" ><strong>Sam:\u00a0<\/strong><span>Die pers\u00f6nlichen Geschichten und Schicksale. Es ist manchmal etwas schwierig, sich anhand von Fakten und Zahlen vorzustellen, dass hinter jeder ein Mensch steckt.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" ><strong>Johanna:<\/strong> Ich fand es sehr bewegend, dass man schon f\u00fcr \u201everliebte\u201c Blicke f\u00fcr Paragraph 175 festgenommen werden konnte. Das war mir vorher nicht bewusst.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" ><strong>Alex:<\/strong> Die handfeste Tatsache, dass sowohl die Alliierten als auch die Bundesrepublik die Wahl hatten, wie sie mit Paragraph 175 umgehen, und sich klar f\u00fcr ein Nazigesetz entschieden haben.<\/p>\n<p >\n<p class=\"MsoNormal\" >Die historischen Einblicke erhielten die Teilnehmenden in einer intensiven Recherchephase. Sie sichteten Videos von Zeitzeug*innen, durchforsteten Literatur und kamen ins Gespr\u00e4ch, sowohl miteinander als auch mit der Historikerin Astrid Hirsch-von Borries von der Mahn- und Gedenkst\u00e4tte D\u00fcsseldorf, die auch die Abschlusspr\u00e4sentationen thematisch einleitete. Doch auch die kreative Arbeit spielte eine zentrale Rolle im Workshop. Beim Schreiben mit Autorin Simone Saftig, in szenischen Miniaturen, die sie mit Regisseur Marvin Wittiber erarbeiteten, und in einem Musikworkshop mit Musikerin Marion Sherwood konnten die Teilnehmer*innen ihre Eindr\u00fccke k\u00fcnstlerisch verarbeiten.<\/p>\n<p >\n<p class=\"MsoNormal\" ><em>Was war euer Highlight des Intensiv-Theaterworkshops?<\/em><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" ><strong>Sam:\u00a0<\/strong><span>Nat\u00fcrlich am Ende die Auff\u00fchrung. Ansonsten; neue Menschen kennenzulernen und alte wiederzusehen. Und dass wir als Gruppe zusammengewachsen sind.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" ><strong>Matheo:<\/strong>\u00a0<span>Ich fand die Gruppendynamik, die sich innerhalb der wenigen Tage entwickelt hat, schon krass wholesome, und das Gef\u00fchl, alle gemeinsam auf der B\u00fchne zu stehen, war echt sch\u00f6n.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" ><strong>Alex:<\/strong>\u00a0<span>Die Premiere. Der erste ununterbrochene Durchlauf, direkt mit Licht und vor allem die Publikumsatmosph\u00e4re. Das alles auf einmal war echt ein eindrucksvolles Gef\u00fchl.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" ><strong>Johanna:\u00a0<\/strong><span>Ich habe ja bedauerlicherweise nicht alles mitbekommen, aber von den Dingen, bei denen ich dabei war, mochte ich das freie Schreiben am meisten.<\/span><\/p>\n<p >\n<p class=\"MsoNormal\" >Wie schon beim ersten Intensiv-Theaterworkshop der Rosa-Winkel-Trilogie leitete die Literaturwissenschaftlerin und Autorin Simone Saftig einen Schreibworkshop. Dort konnten die Jugendlichen und jungen Erwachsenen ihre Gedanken zum Thema in eigene Texte flie\u00dfen lassen und denjenigen eine Stimme geben, die nicht laut sein konnten und k\u00f6nnen.<\/p>\n<p >\n<p class=\"MsoNormal\" ><em>Wie habt ihr den Schreibworkshop empfunden? Fiel es euch leicht, teils auch sehr pers\u00f6nliche Texte zu schreiben?<\/em><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" ><strong>Matheo:<\/strong>\u00a0<span>Der Workshop hat auf jeden Fall geholfen, mehr in den Flow zu kommen, und dann ist es bei mir automatisch sehr pers\u00f6nlich geworden, weil ich mich mit den Themen sehr gut identifizieren konnte.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" ><strong>Alex:<\/strong>\u00a0<span>Mir fiel es nicht leicht, wirklich pers\u00f6nliche Texte zu schreiben, aber die lockere Atmosph\u00e4re und zu h\u00f6ren, was andere teilweise so klar, offen und pers\u00f6nlich vorlesen, gar nicht mal unbedingt proklamierend sondern erz\u00e4hlend, ganz kontempor\u00e4r aus ihrem Inneren, hat mir viel Mut bzw. Freude bereitet.<\/span><\/p>\n<p >\n<p class=\"MsoNormal\" >Mit teils sehr pers\u00f6nlichen Geschichten traten die Workshopteilnehmenden gleich zweimal vor Publikum \u2013 im Setting eines Gerichtssaals, das B\u00fchnenbildnerin Saskia Holte gestaltete. Doch ging es nicht darum, in vorgefertigte Rollen zu schl\u00fcpfen. Vielmehr verbanden die jungen Menschen auf der B\u00fchne historische Ereignisse und Fakten zu queerem Leben nach 1945 mit ihren eigenen Lebensrealit\u00e4ten. So verschr\u00e4nkte sich Vergangenheit mit queeren Perspektiven aus der Generation Z, in der szenischen Lesung und auch im Nachgespr\u00e4ch im Anschluss an die Premiere.\u00a0<\/p>\n<p >\n<p class=\"MsoNormal\" ><em>Was nehmt ihr aus dem Projekt f\u00fcr euch mit? Warum war es euch wichtig mitzumachen?<\/em><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" ><strong>Johanna:<\/strong>\u00a0<span>Ich nehme ein wundervolles Wochenende mit ganz lieben Menschen, einen tollen Austausch \u00fcber wichtige, leider oft vergessene Themen, und viele neu gelernte Dinge f\u00fcr mich mit.\u00a0<\/span><span>Wichtig mitzumachen war es mir, weil ich selbst queer bin und ich finde, dass unsere Vergangenheit leider oft ins Vergessene ger\u00e4t.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" ><strong>Matheo:<\/strong>\u00a0<span>Mir war es wichtig, auf das Thema aufmerksam zu machen und auch selbst noch mehr dar\u00fcber zu lernen. Ich war \u00fcberrascht, wie viel sich auf die aktuelle Zeit \u00fcbertragen l\u00e4sst. Die positiven Beispiele von Menschen aus der damaligen Zeit zu sehen, die es trotz Schwierigkeiten geschafft haben gl\u00fccklich zu werden, haben mir nochmal enorm Mut gemacht. Au\u00dferdem ist das Gef\u00fchl, dass man f\u00fcr andere Menschen eine Stimme sein kann, f\u00fcr mich sehr best\u00e4rkend.<\/span><\/p>\n<p >\n<p class=\"MsoNormal\" >Gemeinsam setzten die jungen Menschen mit der Abschlusspr\u00e4sentation am 21. und 22. Februar, den beiden Abenden vor der diesj\u00e4hrigen Bundestagswahl, ein lautes Zeichen f\u00fcr queere Sichtbarkeit, Freiheiten und Rechte, trugen Forderungen weiter und erinnerten zugleich an jene aus der queeren Community, die ihr Leben lang Ungerechtigkeiten erfahren, aber auch gegen diese gek\u00e4mpft und aufbegehrt haben \u2013 f\u00fcr sich selbst und die nachkommenden Generationen.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Jahrzehnten k\u00e4mpfen queere Menschen weltweit unerm\u00fcdlich f\u00fcr ihre Rechte und Freiheiten. 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