{"id":29742,"date":"2025-02-03T10:57:52","date_gmt":"2025-02-03T09:57:52","guid":{"rendered":"https:\/\/juriserver.de\/youpod.stagin\/?post_type=younews&#038;p=29742"},"modified":"2025-07-11T09:41:29","modified_gmt":"2025-07-11T07:41:29","slug":"stolperstein-spaziergang-in-gedenken-an-queere-ns-verfolgte","status":"publish","type":"younews","link":"https:\/\/juriserver.de\/youpod.stagin\/news\/stolperstein-spaziergang-in-gedenken-an-queere-ns-verfolgte\/","title":{"rendered":"Stolperstein-Spaziergang in Gedenken an queere NS-Verfolgte"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Wilhelm Zitschka, Karl Carduck und Josef Herkenrath \u2013 drei Namen, drei Stolpersteine, drei bewegende Schicksale. Anl\u00e4sslich des Holocaust-Gedenktags organisierte der Verein Queere Geschichte(n) D\u00fcsseldorf e. V. am Sonntag, 26. Januar\u00a0 einen Stolpersteinspaziergang, um den queeren Opfern des NS-Regimes aus D\u00fcsseldorf zu gedenken.<\/em><\/strong><\/p>\n<h3>Wilhelm Zitschka<\/h3>\n<p>Die Aktion startete auf dem Kay-und-Lore-Lorenz-Platz am Kom(m)\u00f6dchen. Dort liegt seit Oktober 2024 ein Stolperstein zum Gedenken an Wilhelm Zitschka. Als dieser 1941 im Alter von 60 Jahren erneut nach Paragraf 175 verurteilt wurde, drohte ihm die Deportation in ein Konzentrationslager. Um dem KZ, das f\u00fcr viele der sichere Weg in einen grausamen Tod bedeutete, zu entkommen, stimmte er einer Zwangskastration zu, damals gel\u00e4ufig unter dem Begriff &#8220;Entmannung&#8221;. Wilhelm Zitschka \u00fcberlebte den Eingriff, sa\u00df die darauffolgenden zwei Jahre in Gefangenschaft in Anrath und starb 1960, f\u00fcnfzehn Jahre nach Ende der NS-Diktatur, wie viele andere homosexuelle M\u00e4nner als verurteilter Verbrecher. Denn der Paragraph 175 wurde noch lange nach Kriegsende in seiner von den Nationalsozialist*innen versch\u00e4rften Form im Strafgesetzbuch der BRD beibehalten und erst 1994 v\u00f6llig aufgehoben.<\/p>\n<h3>Karl Carduck<\/h3>\n<p>Der n\u00e4chste Stopp des Stolpersteinspaziergangs war die Steinstra\u00dfe Ecke Berliner Allee, wo dank einer gemeinsamen Aktion der Mahn- und Gedenkst\u00e4tte D\u00fcsseldorf und des queeren Jugendzentrums PULS seit 2019 ein Stolperstein an Karl Carduck erinnert. 1937 nahm die Gestapo den damals 23-J\u00e4hrigen fest, nachdem er als Homosexueller denunziert wurde. Die Nationalsozialist*innen bezeichneten ihn als &#8220;Kopf eines homosexuellen Zirkels&#8221;, weil in seiner Wohnung oft M\u00e4nner ein und aus gingen \u2013 dabei handelte es sich vor allem seine engsten Freunde, die ebenfalls angeklagt wurden. Karl Carduck erhielt die h\u00e4rteste Strafe, man brachte ihn ins Strafgefangenlager Neu-Sustrum, in dem deutschlandweit die meisten Homosexuellen inhaftiert waren. 1940 wurde er in den Kriegsdienst einberufen und fiel 1942 an der Front in Russland.<\/p>\n<h3>Josef Herkenrath<\/h3>\n<p>Zuletzt besuchten die Teilnehmenden des Spaziergangs den bereits 2004 verlegten Stolperstein von Josef Herkenrath an der Paulusstra\u00dfe 15. Das Besondere? Sein Gro\u00dfneffe begleitete die Gruppe. Da dieser selbst zu jung war, um sich umfassend an seinen Gro\u00dfonkel zu erinnern, machte auch er sich an die Recherchearbeit \u2013 gar nicht so einfach, denn zu vielen der Verfolgten nach Paragraf 175 sind kaum pers\u00f6nliche Informationen zu finden. Oft hatten Angeh\u00f6rige nur wenig oder \u00fcberhaupt keinen Kontakt zu ihren queeren Familienmitgliedern. Eine alte Postkarte ist das einzige sehr pers\u00f6nliche \u00dcberbleibsel, das an Josef Herkenrath erinnert. Nach mehrmaliger Haft aus politischen Gr\u00fcnden und auf Basis des Paragrafen 175 \u00fcberf\u00fchrten die Nationalsozialist*innen Josef Herkenrath schlie\u00dflich ins KZ B\u00f6rgermoor, wo er 1942 im Alter von 42 Jahren verstarb.<\/p>\n<h3>Stolpersteine f\u00fcr queere Menschen<\/h3>\n<p>Insgesamt 402 Stolpersteine sind aktuell in D\u00fcsseldorf verlegt, sieben davon f\u00fcr homosexuelle M\u00e4nner. Warum nur so wenige, wenn es doch allein in D\u00fcsseldorf hunderte Verhaftungen nach Paragraf 175 gab? Historisch ist es oft schwer einzuordnen, ob eine Person wirklich queer war. Die einzigen Ansatzpunkte sind h\u00e4ufig nur die Gestapo-Akten aus der NS-Zeit, erkl\u00e4rt Historikerin Astrid Hirsch-von Borris von der Mahn- und Gedenkst\u00e4tte D\u00fcsseldorf. Sie ist daher sehr vorsichtig mit der Einstufung und betreibt ausf\u00fchrliche Recherchen, bevor sie einen Stein f\u00fcr homosexuelle M\u00e4nner verlegt. <\/p>\n<p>Doch wie sieht es eigentlich mit den Frauen aus? Queere Frauen fielen nicht unter Paragraf 175 und wurden somit nicht offiziell strafrechtlich verfolgt. In Konzentrationslagern mussten sie h\u00e4ufig den schwarzen Winkel tragen, der sie als &#8220;Asoziale&#8221; kennzeichnete. Es gibt Spekulationen dar\u00fcber, dass auch einige queere Frauen Opfer der NS-Patientenmorde wurden, doch wie so vieles l\u00e4sst sich auch dies nicht eindeutig belegen, sodass f\u00fcr diese Opfergruppe bislang kein Stolperstein in D\u00fcsseldorf liegt. F\u00fcr die gesamte queere Szene der damaligen Zeit gilt: An zahlreiche Menschen wurde nie erinnert, ihre Geschichten nie erz\u00e4hlt, und selbst nach Kriegsende durften viele nicht in Freiheit leben.<\/p>\n<h3>Wie geht es weiter? \u2013 Ein Ausblick<\/h3>\n<p>Der Stolpersteinspaziergang reiht sich in eine Reihe weiterer Aktionen und Projekte in D\u00fcsseldorf ein, die queere Themen in den Fokus r\u00fccken. Darunter beispielsweise ein Podiumsgespr\u00e4ch \u00fcber und mit mehreren queeren Generationen am 19. Februar in der Zentralbibliothek, die szenische Lesung Nach dem Rosa Winkel am 21. und 22. Februar im Theatermuseum und auch die D\u00fcsseldorfer CSD-Demonstration am Tag vor der Bundestagswahl.<\/p>\n<p> In Zeiten, in denen politisch viel auf dem Spiel steht und queerfeindliche Stimmen wieder lauter werden, wird umso deutlicher, wie wichtig es ist, an die Verfolgung in der Vergangenheit zu erinnern und zugleich f\u00fcr die Rechte, Freiheiten und Selbstbestimmung queerer Menschen heute und morgen einzutreten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wilhelm Zitschka, Karl Carduck und Josef Herkenrath \u2013 drei Namen, drei Stolpersteine, drei bewegende Schicksale. 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