{"id":41793,"date":"2018-04-14T19:18:42","date_gmt":"2018-04-14T17:18:42","guid":{"rendered":"https:\/\/juriserver.de\/youpod.stagin\/?post_type=younews&#038;p=41793"},"modified":"2025-07-11T09:56:11","modified_gmt":"2025-07-11T07:56:11","slug":"lass-doch-in-die-oper-gehen-siegfried-in-duesseldorf","status":"publish","type":"younews","link":"https:\/\/juriserver.de\/youpod.stagin\/news\/lass-doch-in-die-oper-gehen-siegfried-in-duesseldorf\/","title":{"rendered":"Lass doch in die Oper gehen!: Siegfried in D\u00fcsseldorf"},"content":{"rendered":"<p><span><\/span><\/p>\n<p><strong>Am vergangenen Samstag \u00f6ffnete die Staatsoper D\u00fcsseldorf ihre Pforten f\u00fcr Richard Wagners &#8220;Siegfried&#8221; unter der musikalischen Leitung Axel Kobers. Die Oper ist Teil des &#8220;Ring der Nibelungen&#8221;, der aus vier Teilen besteht. Die Vorstellung glich einem Bouquet verschiedenartiger K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler, um die sich der Schleier des des dunklen, st\u00e4hlernen B\u00fchnenbildes legte und durch welche Wagners Talent, ein Publikum f\u00fcnf Stunden in seinen Bann zu ziehen, hindurch schien.<\/strong>\u00a0<\/p>\n<p><em>Opernbesuche in D\u00fcsseldorf sind eine feierliche Angelegenheit. Raunend findet sich das \u00fcberwiegend \u00e4ltere Publikum zehn Minuten vor Vorstellungsbeginn im gro\u00dfen Saal zusammen, die meisten tragen ihre beste Sonntagsgarderobe und unterhalten sich im Fl\u00fcsterton<\/em>.<\/p>\n<p>Beim \u00d6ffnen des Vorhangs wird h\u00f6flich applaudiert. Sofort verstummt die Menge, denn das B\u00fchnenbild beeindruckt aufgrund der schieren Gr\u00f6\u00dfe und durch seine mutig-moderne Interpretation des Traditionsst\u00fcckes: Aus der Schmiede des Zwerges Mime wurde eine rostige Werkstatt, dekoriert mit blechernen Arbeitsfl\u00e4chen und liebevollen Details wie einen grauen Gartenzwerg. Inmitten dieser sch\u00e4bigen Umgebung f\u00e4llt der kleine \u201egarst\u2019ge Zwerg\u201c, wie er sp\u00e4ter von seinem Adoptivsohn Siegfried genannt wird, aufgrund seiner dunklen und zerfransten Kleidung nicht auf. Im Schlagabtausch mit dem deutlich imposanteren Siegfried, verk\u00f6rpert durch Michael Weinius, werden deren grundverschiedene Charaktere deutlich: Mime (Cornel Frey) ist ein \u00e4ngstlicher, gieriger Zwerg, der mithilfe Siegfrieds Kraft den Ring der Nibelungen zu gewinnen sucht. Siegfried auf der anderen Seite, Sohn Siegmunds und Sieglindes, sehnt sich nach einem abenteuerlustigen Leben und f\u00fcrchtet nichts. Diese ungew\u00f6hnliche Konstellation f\u00fchrt dazu, dass Siegfried seine Abstammung in Frage stellt: Nicht nur vermisst er \u00e4u\u00dferliche Gemeinsamkeiten, er bezweifelt auch die M\u00f6glichkeit, dass der Schmied Mutter und Vater zugleich sein kann. Aus dieser Auseinandersetzung entfacht ein wahrer Konflikt, der sich im Verlauf der Oper zuspitzt:\u00a0 Als Siegfried \u00fcber seine verstorbenen Eltern erf\u00e4hrt, will er ausziehen um das F\u00fcrchten zu lernen. Mime hingegen, der Siegfried nie ein warmherziger Ziehvater war sondern vielmehr verantwortlich f\u00fcr eine unsch\u00f6ne Kindheit war, begehrt die Macht, die dem Ring der Nibelungen innewohnt, welcher sich in den F\u00e4ngen Fafners, einem schrecklichen Ungeheuer, befindet.<\/p>\n<p><em>Im Anschluss an den ersten Aufzug folgt die Pause. Es verlassen nicht alle direkt den Saal, sondern man klatscht f\u00fcr eine erfolgreiche erste Partie. Drau\u00dfen erwarten einen neben Wein und Wasser pr\u00e4parierte Tische mit Fingerfood, wo sich begeisterte Stimmen neben kritischen Augen zusammenfinden. Die schrille Glocke ruft die G\u00e4ste zur\u00fcck in die Welt der Nibelungen, aufgeregt erwartet man den zweiten Teil, der klassischerweise der spannendste ist.<\/em><\/p>\n<p>Der erste Teil von Mimes List geht auf: Siegfried wagt sich in die H\u00f6hle Fafners und stellt sich dem wachenden Drachen, ein wildes Gesch\u00f6pf, aus dessen Rachen Rauch steigt. Jedoch taucht zur \u00dcberraschung des Publikums kein Fabelwesen auf: Eine Dampflokomotive h\u00fcllt den Raum f\u00fcr kurze Zeit in Nebel. Von ihm will Siegfried \u00fcber seine Eltern erfahren, er soll ihm das Geheimnis \u00fcber seine Herkunft enth\u00fcllen. Das imposante Fuhrwerk personifiziert die Goldgier des Schatzh\u00fcters, hat sie doch das Zeitalter des Kapitalismus mit eingel\u00e4utet indem sie entfernt voneinander liegende D\u00f6rfer miteinander verband und wesentlich zur Industrialisierung im 19. Jahrhundert beigetragen hat. Umso interessanter ist es, wie B\u00fchnenbildner Dieter Richter mit diesem Gedanken spielt und den S\u00e4nger des Fafner in der Lokomotive versteckt.<\/p>\n<p>Als w\u00e4re sein Name ein Vorbote zieht Siegfried erfolgreich in den Kampf, jedoch nicht zufrieden von dannen. Weder hat ihm diese Erfahrung das F\u00fcrchten gelehrt, noch hat er mehr \u00fcber seine Eltern erfahren. Zu allem \u00dcberfluss taucht sein verhasster Ziehvater Mime wieder auf und m\u00f6chte sich die Sch\u00e4tze des Fafners aneignen, die dem Tr\u00e4ger Ruhm und Ehre verleihen. Hierzu w\u00e4re er sogar bereit Siegfried zu vergiften. Durch das Drachenblut ist Siegfriede imstande, Mimes wahre Absichten zu durchschauen, und t\u00f6tet ihn. Mime wird zun\u00e4chst reglos &#8211; die k\u00f6rperliche Kontenance der S\u00e4nger beeindruckt immer wieder aufs Neue- an einem Stahlseil von der Decke gehangen. Der dramatische Effekt dieses Ablebens ist hoch.<\/p>\n<p><em>Mit dieser Klimax endet der zweite Aufzug. In der Pause genie\u00dfen einige Besucher die lauwarme Fr\u00fchsommerluft, auf dem Balkon beobachtet man den lebhaften Austausch \u00fcber die erfrischende Inszenierung. Es liegt Vorfreude auf den dritten Teil in der Luft.<\/em><\/p>\n<p>Nachdem unser Held durch W\u00e4lder gewandert, mit Fafner gek\u00e4mpft und mit Tieren gesprochen hat, realisiert er nun wie v\u00f6llig allein er in dieser Welt doch ist. Diese Einsamkeit schl\u00e4gt sich auf das ansonsten furchtlose Gem\u00fct nieder und die V\u00f6gel des Waldes raten ihm, den weiten Weg zur schlafenden Br\u00fcnnhilde auf sich zu nehmen. Auf einem Felsen umgeben von ewigem Feuer soll sie seit Jahren schlafen und auf ihren Helden warten. Wie erwartet z\u00f6gert Siegfried nicht, er sieht vielmehr eine Chance seinem fruchtlosen Fristen zu entkommen. Auf dem \u201eFelsen\u201c liegt die schlafende Sch\u00f6nheit in einem abgest\u00fcrzten Helikopter, der sich nahtlos in das von Industrialisierung gezeichnete B\u00fchnenbild eingliedert. Das Publikum hat an diesem Punkt verstanden, dass Siegfried sich als unbesiegbar erwiesen hat. Doch beim Anblick einer weiblichen Gestalt zuckt er zusammen, z\u00f6gert, ziert sich und realisiert: Dies also ist die Angst.<\/p>\n<p>Der zweite Tag aus Wagners Opernzyklus endet mit der gl\u00fccklichen Vereinigung beider Spieler. Ihnen ist gemeinsam, dass beiden fr\u00fch ein freies Leben verwehrt wurde. Doch mit der Befreiung Br\u00fcnhildes ist auch Siegfried imstande, menschliche Gef\u00fchle zu empfinden und zu verstehen. Alles Warten fand ein Ende, die Herrschaft des Geldes wurde von der Macht der Liebe abgel\u00f6st. Ist dies ein Ausdruck von Anarchismus, wie dem staatsverachtenden Wagner dies zueigen war? Diese Form von &#8220;Menschwerdung&#8221; ist zumindest in meinen Augen Siegfrieds wahrer Sieg und steht am Ende seiner Abenteuer.<\/p>\n<p><em>Erst der fallende Vorhang rei\u00dft den Zuschauer aus Wagners f\u00fcnfst\u00fcndigem Bann. Denn auch er hat sich auf eine Reise gemacht, sich auf das Nibelungenlied eingelassen und lie\u00df das Abenteuer &#8220;Oper&#8221; auf sich wirken, welche durch das kreative Gestaltungstalent der Kost\u00fcm- und B\u00fchnenbildner in Szene gesetzt wurde. Und er wurde nicht entt\u00e4uscht.<\/em><\/p>\n<p><em>Diese Vorstellung beweist wieder einmal die F\u00e4higkeit der D\u00fcsseldorfer Oper, sich den Erwartungen eines modernen Publikums zu stellen und sie mit einzigartigen Szenen zu \u00fcberraschen, wodurch der Besuch umso mehr zu einem Erlebnis wird. Insbesondere die Kulturszene muss sich in Zeiten eines \u00dcberangebots an Entertainmentm\u00f6glichkeiten und abnehmendem Interesses der Herausforderung stellen, die Aufmerksamkeit neuer und junger Gruppen zu gewinnen. Dass dieser Klassiker nicht nur etwas f\u00fcr erfahrene Operng\u00e4nger ist, sondern durchaus auch junge Leute begeistern kann, davon bin ich nach diesem Abend \u00fcberzeugt.\u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Richard Wagners &#8220;Siegfried&#8221; findet noch am 22.04., 29.04., 06.05. und 10.05. im Opernhaus D\u00fcsseldorf statt. Jugendliche und Studenten sowie Azubis erhalten 50%-Erm\u00e4\u00dfigung auf die regul\u00e4ren Ticketpreise.\u00a0 Mehr Infos bei der\u00a0<a href=\"https:\/\/operamrhein.de\/de_DE\/repertoire\/siegfried.1123473\">Oper am Rhein<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am vergangenen Samstag \u00f6ffnete die Staatsoper D\u00fcsseldorf ihre Pforten f\u00fcr Richard Wagners &#8220;Siegfried&#8221; unter der musikalischen Leitung Axel Kobers. 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