{"id":42413,"date":"2024-12-19T00:44:53","date_gmt":"2024-12-18T23:44:53","guid":{"rendered":"https:\/\/juriserver.de\/youpod.stagin\/?post_type=younews&#038;p=42413"},"modified":"2025-07-11T09:56:17","modified_gmt":"2025-07-11T07:56:17","slug":"theater-intensivworkshop-allein-im-rosa-winkel-erinnern-an-die-verfolgung-homosexueller-zur-ns-zeit","status":"publish","type":"younews","link":"https:\/\/juriserver.de\/youpod.stagin\/news\/theater-intensivworkshop-allein-im-rosa-winkel-erinnern-an-die-verfolgung-homosexueller-zur-ns-zeit\/","title":{"rendered":"Theater-Intensivworkshop &#8220;Allein im Rosa Winkel&#8221; \u2013 Erinnern an die Verfolgung Homosexueller zur NS-Zeit"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Was ist der Rosa Winkel? Dieser und vielen weiteren Fragen sind sieben junge Menschen Anfang November in einem Theater-Intensivworkshop nachgegangen. Dabei im Fokus: die Verfolgung von (vermeintlich) Homosexuellen w\u00e4hrend des Nationalsozialismus. Dreieinhalb Tage arbeiteten sie intensiv zusammen und brachten abschlie\u00dfend ein St\u00fcck Geschichte, Erinnerungskultur und Aufkl\u00e4rung im Theatermuseum auf die B\u00fchne. Doch warum konzentriert sich das Projekt &#8220;Allein im Rosa Winkel&#8221; ausgerechnet auf D\u00fcsseldorf? Und was geschah damals eigentlich?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>Ein kleiner geschichtlicher R\u00fcckblick<\/strong><\/p>\n<p>Mit insgesamt rund 400 Verhaftungen war D\u00fcsseldorf zur NS-Zeit das westdeutsche Zentrum der Verfolgung (vermeintlich) Homosexueller nach Paragraph 175, einer Sondervorschrift im Strafgesetzbuch, die sexuelle Handlungen zwischen M\u00e4nnern verbot. Vor der Macht\u00fcbernahme der Nationalsozialist*innen gab es bereits Bem\u00fchungen, den Paragraphen endg\u00fcltig zu streichen. Doch das politische Klima \u00e4nderte sich drastisch, und statt &#8220;abschaffen&#8221; hie\u00df es nun &#8220;versch\u00e4rfen&#8221;. <\/p>\n<p>Selbst ein Blickaustausch zwischen zwei M\u00e4nnern konnte in der NS-Diktatur f\u00fcr eine Verhaftung ausreichen. In den Konzentrationslagern mussten die nach Paragraph 175 Festgenommenen den Rosa Winkel auf ihrer H\u00e4ftlingskleidung tragen, der sie als Homosexuelle kennzeichnete und vor den anderen Gefangenen stigmatisierte. Das Ganze wirkt sehr weit weg, dabei ist es eigentlich noch recht nah. Nicht zuletzt, weil eine abge\u00e4nderte Version des Paragraphen 175 noch bis 1994 in der Bundesrepublik Deutschland im Strafgesetzbuch stand.<\/p>\n<p><strong>Wissensl\u00fccken f\u00fcllen<\/strong><\/p>\n<p>Unsere junge Generation, Gen Z, gilt als gut informiert und aufgekl\u00e4rt. Gerade in Bezug auf den Zweiten Weltkrieg scheint die Schule ein breites Wissen zu vermitteln. Doch wenn es um die Verfolgung nach Paragraph 175 und den Rosa Winkel geht, klafft bei vielen eine gro\u00dfe L\u00fccke. Vielleicht gab es einen kurzen Abschnitt im Geschichtsbuch, eine fl\u00fcchtige Erw\u00e4hnung im Nebensatz, dass auch Homosexuelle verfolgt wurden. Mehr oft nicht. Kein Wunder also, dass sowohl im Team um Regisseur Marvin Wittiber als auch bei den jungen Teilnehmer*innen eine Menge an Wissen fehlte, was die Recherchearbeit umso entscheidender machte. <\/p>\n<p>Bereits Wochen vor Beginn des Workshops begaben sich Marvin Wittiber und Simone Saftig auf eine intensive Recherchereise, unter anderem ins Stadtarchiv und in die Mahn- und Gedenkst\u00e4tte in D\u00fcsseldorf. &#8220;Am eindr\u00fccklichsten war jedoch unsere Arbeit im NRW-Landesarchiv&#8221;, berichtet Simone. &#8220;Dort haben wir zahlreiche Gestapo-Akten durchforstet \u2013 was nicht immer einfach war. Wenn man tagelang inmitten solcher T\u00e4terakten verbringt, geht das nicht spurlos an einem vorbei.&#8221;<\/p>\n<p>m Rahmen des Workshops besuchten die Teilnehmenden die Mahn- und Gedenkst\u00e4tte, um einen Vortrag \u00fcber die Verfolgung der queeren Szene D\u00fcsseldorfs zur NS-Zeit zu h\u00f6ren. Zur\u00fcck im Probenraum durchforsteten sie B\u00fccher zum Thema, sichteten Filmmaterial und kamen in den Austausch \u00fcber die Schicksale der verfolgten Menschen, viele von ihnen selbst noch Jugendliche oder junge Erwachsene. Neugier und Wissensdurst mischten sich mit einer dr\u00fcckenden Schwere<\/p>\n<p><strong>Die Geschichte weitertragen<\/strong><\/p>\n<p>Was bedeutet ein solcher Workshop f\u00fcr die jungen Menschen, die selbst teilnahmen?<\/p>\n<p>&#8220;Mich hat die Auseinandersetzung mit dem Thema sehr bewegt. Ich hatte das Gef\u00fchl, dass meine queere Identit\u00e4t viel mehr ist als nur etwas, was ich pers\u00f6nlich auslebe, sondern dass Queersein eine Geschichte hat und es gewisserma\u00dfen nun meine Aufgabe ist, diese Geschichte mit mir zu tragen und sie weiter zu erz\u00e4hlen.&#8221; \u2013 Leni (17)<\/p>\n<p>Die Gedanken zu sortieren, selbst die richtigen Worte zu finden, um \u00fcber die schrecklichen Ereignisse der Vergangenheit aufzukl\u00e4ren, kann ganz sch\u00f6n \u00fcberw\u00e4ltigend aber gleichzeitig enorm bereichernd sein. Ein Kernst\u00fcck des Projekts war daher ein Schreibworkshop mit Simone, in dem pers\u00f6nliche Texte entstanden, die sp\u00e4ter ein zentrales Element der Auff\u00fchrung darstellten. &#8220;Ich wollte den Teilnehmer*innen mitgeben, dass sie auf ihre eigenen Worte vertrauen k\u00f6nnen&#8221;, erkl\u00e4rt Simone. &#8220;Dass die Texte der Teilnehmer*innen schlie\u00dflich eine B\u00fchne bekommen sollten, war mir von vornherein klar. Sie sollten sehen, wie ihre Texte ber\u00fchren k\u00f6nnen.&#8221;<\/p>\n<p>In der finalen Pr\u00e4sentation verschmolz die intensive Recherchearbeit nicht nur mit bewegenden Texten, sondern zus\u00e4tzlich auch mit musikalischen Elementen. Am Tag der Auff\u00fchrung erarbeiteten die Teilnehmer*innen mit Musiker Andrei Vinnik eine chorische Performance und auch kraftvolle Interpretationen ihrer pers\u00f6nlichen queeren Lieblingssongs flossen in das abschlie\u00dfende Ergebnis ein.<\/p>\n<p><strong>Aufruf zum Erinnern<\/strong><\/p>\n<p>Mit vielen Fragen sind die Teilnehmenden in den Workshop gestartet, haben zahlreiche Antworten gefunden, doch bleiben einige Fragen auch nach der Auff\u00fchrung noch offen.<\/p>\n<p>Warum wurde den queeren Opfern der NS-Diktatur erst 2023 offiziell im Bundestag gedacht? Und wie k\u00f6nnen wir die Geschichte angemessen an Menschen verschiedener Generationen weitertragen? Denn eines ist sicher: Erinnern ist unabdingbar \u2013 darin sind sich das Workshop-Team und die Teilnehmer*innen einig.<\/p>\n<p>&#8220;Mir ist es wichtig, an diesen Paragraphen zu erinnern, gerade weil es nicht allzu lange her ist, dass er abgeschafft wurde, und es in vielen Teilen Deutschlands noch an Akzeptanz f\u00fcr die queere Szene fehlt&#8221;, sagt Leni (17).<\/p>\n<p>Menschen aus der queeren Community leben h\u00e4ufig immer noch in Angst um ihre eigene Sicherheit, und die Zahl queerfeindlicher Straftaten in Deutschland steigt wieder an. Deshalb ist es umso bedeutender, unsere Geschichte aufzuarbeiten \u2013 vor allem an Schulen. Sei es durch Projekttage, Besuche der Mahn- und Gedenkst\u00e4tte oder Theater- und andere Kunstprojekte, die sicherstellen, dass bald viele junge Menschen Antworten haben auf Fragen wie &#8220;Was ist der Rosa Winkel?&#8221;<\/p>\n<p >\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ist der Rosa Winkel? 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